Alle Arten › Sperlingsvögel › Laubsänger › Bergzilpzalp

Bergzilpzalp | Phylloscopus sindianus

Bergtjiftjaf | Mountain Chiffchaff | Mosquitero montano | עלווית חומה | Pouillot montagnard

Der Bergzilpzalp ist der Zilpzalp des Hochgebirges: im Gebiet dieses Buches ein Vogel des Krummholzes und Weidengebüschs oberhalb der Baumgrenze im Kaukasus und ostwärts vom Elburs bis zum Himalaya. Er sieht aus wie ein Zilpzalp ohne Grün; nach der Stimme ist er eine eigene Art.

Bergzilpzalp (Phylloscopus sindianus)
Foto: Ani Sarkisyan — CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Stimme

Der Gesang ähnelt dem des Zilpzalps und ist zugleich deutlich davon zu trennen. Er ist schneller, härter und weit eintöniger: eine rasche Folge kurzer, scharfer Silben fast alle auf derselben Tonhöhe, chilp-chilp-chelp-chilp-chelp-chilp, ohne den langsamen, ungleichmäßigen Wechsel zwischen einem hohen und einem tiefen Ton, der den Zilpzalp so kenntlich macht. Wo der Zilpzalp zu zählen scheint, spult der Bergzilpzalp einfach ab. Die Strophen sind länger, das Tempo höher und die Tonlage im Mittel höher und breitbandiger. Der Ruf ist das zweite und schnellste Merkmal: ein weiches, flaches bis leicht abfallendes pseew oder seeoo, dünner und gedehnter als das klare, ansteigende hweet des Zilpzalps. Gesungen wird von der Rückkehr im April bis in den Juli, mit Höhepunkt in der ersten Junihälfte, wenn in diesen Höhen der Schnee gerade erst verschwunden ist.

Anhören: GesangXC798329

Aufnahme: Tim Vochten — CC BY-SA 4.0 · xeno-canto

Bestimmung

Gestalt, Größe und Verhalten sind die eines Zilpzalps, doch alles Grün und Gelb fehlt. Die Oberseite ist warm graubraun bis rußbraun ohne Olivton; die Unterseite ist schmutzig weiß mit deutlich ockerfarbenen, beigebraunen Flanken und Brustseiten. Der Überaugenstreif ist schmal, hellbeige und diffus, über einer dunkelbraunen Wange, sodass das Gesicht braun und geschlossen statt grün und offen wirkt. Schnabel und Beine sind dunkel, der Schnabel sehr fein. Die einzige Farbe im Gefieder liegt unter dem Flügel, wo die Decken hellgelb sind. Die kaukasische Form lorenzii ist wärmer und dunkler braun als östliche Vögel. Der Schwanz wird wie beim Zilpzalp gewippt, aber weniger ausgeprägt. Geschlechter gleich.

Verwechslungsarten

Der Zilpzalp ist der Maßstab und brütet in denselben westkaukasischen Tälern, allerdings tiefer: Er zeigt stets olivgrüne Töne im Mantel und in den Flügelsäumen und Gelb an den Brustseiten, wo der Bergzilpzalp rein braun und ocker ist. Schwieriger ist der Taigazilpzalp, die Form tristis, der im Herbst durch den Kaukasus zieht und ebenfalls graubraun und beige ist; er hat einen helleren und kontrastreicheren Überaugenstreif, eine kühler braune Oberseite, oft einen grünen Anflug in Flügel und Bürzel und einen deutlich anderen, hohen, gedehnten Ruf. Berg- und Balkanlaubsänger sind unterseits viel weißer, mit gelbem Bürzel und gelbgrünem Flügelfeld. Im Zweifel gilt dieselbe Regel wie bei jedem Zilpzalp: auf den Gesang warten.

Lebensraum

Subalpines Krummholz und Gebüsch zwischen etwa 1.700 und 2.500 Meter, lokal höher: Krüppelbirken mit Rhododendron an der oberen Waldgrenze, Weidengebüsch an Bächen und Schmelzwasserrinnen, Wacholderdickichte und die lichten Ränder von Fichten- und Kiefernwald knapp unterhalb der Baumgrenze. Dichter, geschlossener Wald wird gemieden; dies ist ein Vogel des Übergangs, wo der Wald in Gebüsch übergeht. Außerhalb der Brutzeit zieht er in tiefere Täler, Gärten und Ufergehölze hinab. Weiter östlich, außerhalb des Gebiets dieses Buches, nutzt er dieselben Strukturen in Birken, Weiden, Pappeln und Tamarisken weit oberhalb von 3.000 Metern.

Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.

Verbreitung und Zug

Zwei weit getrennte Blöcke. Im Gebiet dieses Buches brütet die Unterart lorenzii im Großen und Kleinen Kaukasus, westwärts bis in das Pontische Gebirge im Nordosten Anatoliens und weiter in den Elburs. Der größte Teil des Weltareals liegt jedoch außerhalb des Gebiets: Die Nominatform sindianus brütet im Pamir, im Tienschan und im westlichen Himalaya bis in den Norden des indischen Subkontinents. Die Art ist vor allem Höhenzieher; kaukasische Vögel ziehen im Winter in die Täler Transkaukasiens hinab, östliche Vögel in die Ebenen des nördlichen indischen Subkontinents. Anderswo im Kartengebiet, von Nordwesteuropa bis zur Iberischen Halbinsel, wurde er nie nachgewiesen.

  • Brutvogel (Sommer)
  • dunkel = Kerngebiet, hell = dünn verbreitet
Dichtekarte aus den Nachweisen von GBIF (2006-09-01 – 2026-08-31), gezählt je 0,7°-Rasterzelle und Monat und geteilt durch alle Vogelnachweise in derselben Zelle – so bestimmt die Zahl der Beobachter nicht das Bild. Die Farbtiefe folgt diesem Anteil und läuft allmählich aus, sodass die Karte nicht den Staatsgrenzen folgt. Ländergrenzen: Natural Earth (gemeinfrei).

Wie und wann beobachten

Die erste Junihälfte im Kaukasus, in der Höhe, in der Fichten- oder Birkenwald in Rhododendron und Weiden übergeht – Kasbegi, Swanetien, Lagodechi oder die Hügel um den Sewansee. Einem Bach über die Baumgrenze hinauf folgen und zuhören: Der schnelle, flache Triller ist sofort von den Zilpzalpen zu unterscheiden, die weiter unten im Tal singen, sodass man an einem einzigen Morgen beide Arten zum Vergleich hat. Die Vögel suchen tief in den Weiden nach Nahrung und sind, anders als die meisten Laubsänger, gut zu beobachten. Auf die ockerfarbenen Flanken und das völlige Fehlen von Grün achten.

Gefährdungsstatus

Nicht gefährdet; das Areal ist groß, und die Art ist in den meisten Teilen davon häufig. Im Kaukasus ist die Brutzone jedoch ein schmaler Höhengürtel, und die Erwärmung verschiebt diesen Gürtel nach oben, sodass das verfügbare Gebüsch langfristig schrumpfen wird. Starke Beweidung durch Schafe und Rinder dünnt die subalpinen Weiden- und Rhododendronbestände stellenweise stark aus; wo die Beweidung mäßig bleibt, ist der Vogel zahlreich.

Wissenschaftlicher Name

Phylloscopus sindianus | Brooks, 1880

Brooks beschrieb die Art 1880 und stellte sie gleich in die Gattung, in der sie noch heute steht. Die Gattung Phylloscopus wurde 1826 von Boie eingeführt. Phylloscopus ist griechisch, von phullon ‚Blatt‘ und skopos ‚Späher‘, von skopeō ‚schauen‘: der Vogel, der die Blätter absucht. sindianus bedeutet ‚von Sind‘, nach der Region Sindh im Süden des heutigen Pakistan. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus Sukkur, Pakistan.