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Sperlingsvögel | Passeriformes

Zangvogels | Passerines | Paseriformes | ציפורי שיר | Passereaux

Erkennbar sind diese Vögel am Fuß: drei Zehen nach vorn, eine kräftige Hinterzehe auf gleicher Höhe, mit einer Sehne, die sich selbsttätig spannt, sobald das Bein gebeugt wird, sodass ein schlafender Vogel auf seinem Ast sitzen bleibt. Der Stimmkopf ist komplex gebaut, mit mehreren Muskelpaaren, und diesem verdanken die meisten Arten ihren differenzierten Gesang. Es sind fast ausnahmslos kleine Vögel, die ein Nest bauen und darin nackte, blinde Junge aufziehen, die von beiden Eltern gefüttert werden und das Nest erst nach Tagen verlassen. Mehr als die Hälfte aller Vogelarten der Welt gehört zu dieser Ordnung.

Familien dieser Ordnung

  • Echte Singvögel | PasseriWas diese Gruppe innerhalb der Ordnung abgrenzt, ist, dass der Gesang nicht festgelegt ist, sondern erlernt werden muss: Ein junger Vogel übernimmt in seinen ersten Monaten das Vorbild erwachsener Nachbarn, und dadurch klingt ein und dieselbe Art von Gegend zu Gegend anders. Das Stimmorgan besitzt dafür die vollständige Anzahl an Muskelpaaren; manche Arten erzeugen so zwei Töne gleichzeitig, andere übernehmen ganze Abschnitte aus den Geräuschen ihrer Umgebung. Der Gesang dient sowohl der Abgrenzung eines Reviers als auch der Partnerwahl, und viele Arten verfügen dafür über ein festes Repertoire von Dutzenden Motiven. Mit gut viertausend Arten bildet die Gruppe den größten Teil der Ordnung; sie kommt weltweit vor und ist in Australien und Umgebung am formenreichsten.
    • Krähen und Verwandte | CorvidesFür Singvögel große, schwer gebaute Vögel mit einem kräftigen, oft leicht gehakten Schnabel, die fressen, was verfügbar ist: Insekten und Früchte, aber auch Eier, Jungvögel und Aas. Im Verhältnis zu ihrem Körper haben sie die größten Gehirne aller Vögel, was sich an ihrem Ortsgedächtnis, ihrem Umgang mit Gegenständen und der Leichtigkeit zeigt, mit der sie Laute nachahmen. Sie werden alt, bleiben oft jahrelang mit demselben Partner zusammen und leben in Familiengruppen, in denen Junge des Vorjahres bei der Aufzucht einer neuen Brut helfen. Das Gelege ist klein und das Nest ein fester Napf hoch in Baum oder Strauch. Der Schwerpunkt der Gruppe liegt in Australasien und auf den Inseln nördlich von Australien, und die meisten Arten bleiben das ganze Jahr in ihrem Gebiet.
      • Buschwürger | Malaconotidae1 ArtWürgerähnliche Singvögel von Buschland und Dornbusch, mit einem kräftigen, an der Spitze hakenförmigen Schnabel und kräftigen Beinen, mit denen sie große Insekten, Eidechsen und junge Vögel festhalten. Anders als die echten Würger sitzen sie selten auf einer offenen Warte; sie bewegen sich durch den dichtesten Teil des Strauchs und sind weit häufiger zu hören als zu sehen. Die Lautäußerungen sind das Kennzeichen der Familie: klare, gepfiffene Reihen, die Männchen und Weibchen als Duett ineinanderfügen, so eng aufeinander abgestimmt, dass sie wie ein einzelner Vogel klingen – eine Weise, aus der Deckung heraus das Revier zu verteidigen und das Paar zusammenzuhalten. Viele Arten tragen eine schwarze Kopfkappe oder eine schwarze Maske über einem einfarbigen Rücken; der Flug ist kurz und schwer, von Strauch zu Strauch.
      • Vireos | Vireonidae1 ArtVireos sind kleine bis mittelgroße Singvögel Amerikas; keine Art brütet in Europa, doch einige nordamerikanische Zugvögel erreichen im Herbst mit Weststürmen die Atlantikküsten. Im Aussehen stehen sie zwischen einem Laubsänger und einem kleinen Würger: oberseits grünlich oder grau, unterseits hell, mit einem kräftigeren Schnabel als bei einem Laubsänger und einem kleinen Haken an der Spitze. Die Kopf- und Augenstreifzeichnung ist das wichtigste Merkmal. Sie bewegen sich langsam und bedächtig durch das Kronendach, wo sie Raupen und andere Insekten von den Blättern ablesen und außerhalb der Brutzeit auch Beeren fressen. Das Nest ist ein tiefer, napfförmiger Bau, der in einer Astgabel hängt. Sie singen den ganzen Tag über, auch in der Mittagshitze.
      • Pirole | Oriolidae1 ArtMittelgroße Kronenbewohner mit einem ziemlich kräftigen, leicht gebogenen Schnabel mit einem kleinen Haken an der Spitze, mit dem sie sowohl behaarte Raupen als auch weiches Obst bewältigen. Die Männchen sind leuchtend gelb oder orange mit Schwarz, die Weibchen und Jungvögel grünlich und fein gestreift; gerade das leuchtende Gelb fällt im sonnenbeschienenen Laub kaum auf. Das Nest ist ein hängender Napf, der wie eine Hängematte zwischen den beiden Armen einer waagerechten Astgabel gewoben wird, hoch in Laubbäumen. Sie bleiben in der Krone und verraten sich eher durch klare Flötentöne als durch eine sichtbare Silhouette.
      • Würger | Laniidae9 ArtenEin Hakenschnabel mit einem Zahn in der Schneidekante des Oberschnabels, mit dem die Beute im Nacken getötet wird: Es sind Singvögel, die wie Greifvögel jagen, jedoch mit gewöhnlichen Singvogelfüßen, die die Beute nicht festhalten können. Deshalb spießen sie Insekten, Eidechsen und Mäuse auf Dornen oder Stacheldraht auf, um sie zu fixieren und als Vorrat aufzubewahren. Sie sitzen still und aufrecht auf einer Warte über offenem Gelände mit verstreuten Sträuchern und lassen sich von dort herabfallen; die schwarze Augenmaske, der große Kopf und der lange Schwanz gehören zu nahezu jeder Art. Das Nest ist ein fester Napf tief in einem Dornstrauch.
      • Rabenvögel | Corvidae15 ArtenDie größten und am schwersten gebauten Singvögel, mit einem kräftigen Allzweckschnabel, Borstenfedern über den Nasenlöchern und kräftigen Beinen, mit denen sie sowohl schreiten als auch hüpfen. Sie fressen nahezu alles, verstecken Nahrung für später und merken sich, wo sie liegt; ihr Gehirn ist im Verhältnis zur Körpergröße das größte aller Vögel, was sich daran zeigt, wie leicht sie Werkzeuge, Aas und menschliche Gewohnheiten nutzen. Ein echter Gesang fehlt – die Rufe sind hart und heiser –, doch viele Arten ahmen andere Laute nach. Die Partner bleiben jahrelang zusammen, bauen ein umfangreiches Reisignest und sehen einander gleich.
    • Sperlinge und Verwandte | PasseridesDer Krähengruppe steht hier die andere Hälfte der Singvögel gegenüber: überwiegend kleine, leicht gebaute Vögel mit einem feinen Schnabel, die Insekten, Samen und Nektar von Blatt, Zweig und Boden aufnehmen. Sie legen größere Gelege, ziehen oft zwei oder drei Bruten pro Jahr auf und bauen dafür einen offenen Napf oder ein geschlossenes Nest in Deckung, in einer Höhle oder an einer Mauer. Im Norden verschwindet der Großteil, sobald die Insekten ausgehen, und das Revier wird im Frühjahr mit Gesang erneut beansprucht. Außerhalb Australasiens ist dies bei weitem die artenreichste Gruppe der Singvögel: Nahezu jeder Singvogel, den man in Europa sieht, gehört hierher.
      • Meisen, Schwalben und Sänger | SylviidaKleine Insektenfresser mit einem dünnen, spitzen Schnabel, die ihre Nahrung zwischen Blättern und Zweigen hervorholen oder in der Luft fangen. Das Gefieder ist grün, grau oder braun, mit geringem Unterschied zwischen Männchen und Weibchen und oft noch geringerem zwischen nah verwandten Arten – die Bestimmung beruht daher vor allem auf der Stimme. Das Nest liegt tief in der Vegetation, in einer Höhle oder als geschlossene Kugel zwischen den Stängeln, und das Gelege ist für Singvögel groß. Viele Arten verbringen den Winter südlich der Sahara oder in Südasien, und außerhalb der Brutzeit ziehen sie in gemischten Trupps durch Gebüsch und Baumkronen.
        • Beutelmeisen | Remizidae2 ArtenSehr kleine Vögel mit einem feinen, spitz zulaufenden Kegelschnabel, mit dem sie kleine Insekten, Spinnen und Samen aus Schilf, Weide und Pappel picken. Kennzeichen der Familie ist das Nest: ein hängender Beutel aus Pflanzenwolle und Spinnweben, fest um herabhängende Zweige gefilzt, mit einer kurzen Einflugröhre an der Seite, sodass von unten nichts herankommt. An einem solchen Nest wird oft wochenlang gebaut, das Brüten übernimmt in der Regel jedoch ein Elternteil: Der andere verlässt das Nest und beginnt anderswo von Neuem. Der Ruf ist ein dünnes, hohes Pfeifen, das leicht überhört wird.
        • Meisen | Paridae10 ArtenKleine, gedrungene Vögel mit kurzem, kräftigem Schnabel und kräftigen Beinen; sie suchen akrobatisch an den Zweigenden nach Nahrung, kopfüber hängend, und klemmen einen Samen unter den Fuß, um ihn aufzuhämmern. Nahezu alle Arten brüten in einer Höhle und legen darin große Gelege – acht bis zwölf Eier sind üblich, mehr als bei den meisten Singvögeln. Sie verstecken Nahrung in Rindenspalten und Moos und leben außerhalb der Brutzeit in gemischten Trupps, die sich laut rufend durch den Wald bewegen. Die Kopfzeichnung ist bei jeder Art scharf begrenzt und ein feststehendes Bestimmungsmerkmal.
        • Bartmeisen | Panuridae1 ArtEine Familie mit nur einer Art, und äußerlich gibt es wenig Gemeinsamkeiten mit anderen Gruppen: Ihre Sonderstellung beruht auf dem Schädelbau und auf genetischen Daten, die sie neben die Lerchen stellen und nicht zu den Meisen oder Grasmücken, denen sie lange zugeordnet war. Kennzeichnend ist die Bindung an ausgedehntes Altschilf: ein kleiner orangegelber Schnabel, ein sehr langer, gestufter Schwanz und Füße, die zwei Halme zugleich umklammern. Im Sommer fressen diese Vögel Insekten, im Winter Schilfsamen; im Herbst verdickt sich der Muskelmagen, und sie schlucken Steinchen, um diese harten Samen zermahlen zu können. Sie brüten niedrig im Schilf, zwei- bis viermal im Jahr, und Männchen und Weibchen sind schon im Nest an der Kopfzeichnung zu unterscheiden.
        • Lerchen | Alaudidae20 ArtenBodenvögel in Braun- und Sandtönen mit Strichelung, gebaut zum Laufen und nicht zum Hüpfen: Die Hinterkralle ist lang und nahezu gerade, und die Rückseite des Laufs trägt eine Reihe einzelner Schuppen anstelle der glatten Platte, die andere Singvögel dort haben. Nahezu alle Arten singen in der Luft, steigend oder rüttelnd, mitunter minutenlang über einem Revier ohne Singwarte. Das Nest ist eine mit Gras ausgekleidete Mulde auf kahlem Boden; die Jungen verlassen es laufend, bevor sie fliegen können, was die Verluste bei einer einzelnen Mahd begrenzt. Der Schnabel reicht von kurz und kräftig für Samen bis lang und gebogen zum Wühlen im Boden.
        • Halmsänger | Cisticolidae2 ArtenKleine Sänger von Grasland, Sumpf und niedrigem Gebüsch, meist warmbraun und oberseits gestreift, mit kurzen, runden Flügeln und einem gestuften Schwanz, der oft gestelzt getragen wird und im Brutkleid kürzer ist als im Winter. Kennzeichnend ist das Nest: Lebende Grashalme oder Blätter werden mit Spinnweben und Raupenseide zu einem verborgenen, birnenförmigen Beutel zusammengeheftet, der mit der Pflanze, in der er hängt, weiterwächst. Der Gesang ist einfach und wird endlos wiederholt, meist in einem wellenförmigen Balzflug über dem Revier vorgetragen, da es in diesem Gelände keine Singwarten gibt. Der Schwerpunkt der Familie liegt in Afrika; in Europa reicht nur eine einzige Art bis an die Mittelmeerküste und weiter nach Norden.
        • Rohrsänger | Acrocephalidae18 ArtenEinfarbig braune bis olivgrüne Sänger ohne Flügelbinden, mit einem langen, an der Basis breiten und flachen Schnabel mit Borstenhaaren, einer gleichmäßig abfallenden Stirn und langen Zehen, mit denen sie zwei senkrechte Halme zugleich umgreifen. Sie klettern und schlüpfen durch dichte Ufervegetation und Gebüsch und sind vor allem am Gesang zu erkennen: einem lauten, rhythmischen, kratzenden Schnarren mit vielen Wiederholungen und vielen nachgeahmten Arten, bei Tag und Nacht vorgetragen. Das Nest ist ein tiefer, zylindrischer Korb, um senkrechte Halme gewoben, sodass er im Wind mitschwingen kann, ohne umzukippen. Alle europäischen Arten sind Langstreckenzieher nach Afrika und halten sich hier nur drei bis vier Monate auf.
        • Schwirle | Locustellidae5 ArtenBraune Vögel, die wie eine Maus durch die unterste Schicht von Schilf, Hochstauden und Seggen schlüpfen und eher davonlaufen als auffliegen. Der Körperbau entspricht dem: kurze, runde Flügel, ein breiter, gestufter Schwanz und lange Unterschwanzdecken. Der Gesang ist mechanisch – ein gleichmäßig schwirrendes oder tickendes Schnarren, das minutenlang anhält und sich durch das Drehen des Kopfes zu verschieben scheint, sodass der Vogel schwer zu orten ist. Das Nest steht auf oder dicht über dem Boden, verborgen unter überhängenden Halmen, und wird zu Fuß erreicht; die Geschlechter sehen gleich aus.
        • Schwalben | Hirundinidae8 ArtenVögel, die ihre Nahrung ausschließlich in der Luft fangen und ganz darauf gebaut sind: lange, spitze Flügel, ein sehr kurzer, flacher Schnabel mit einer sehr weiten Mundspalte und kleine, schwache Füße mit kurzen Läufen, mit denen sie zwar sitzen, aber kaum laufen können. Trinken und Baden erfolgen im Streifflug über dem Wasser. Das Nest ist ein Napf oder ein geschlossener Topf aus Lehmklümpchen an einer Wand, eine selbst gegrabene Röhre in einem Steilufer oder eine Höhle – oft in Kolonien beieinander. Es sind Zugvögel, die sich im Spätsommer über Schilf und Leitungen sammeln; anders als die Segler, denen sie in der Luft ähneln, sind es gewöhnliche Singvögel, die sich auf einen Draht setzen.
        • Schwanzmeisen | Aegithalidae1 ArtSehr kleine Vögel mit einem winzigen, stumpfen Schnabel und einem Schwanz, der länger ist als der ganze Körper, sodass sie eher wie ein Bällchen mit Stiel als wie ein Vogel aussehen. Das Nest ist ein geschlossenes Oval aus Moos und Flechten, mit Spinnweben verbunden und innen mit Hunderten bis über tausend Federchen ausgepolstert; die Wand dehnt sich mit, während die Jungen wachsen. Sie leben das ganze Jahr über in Familientrupps: Vögel, deren Brut gescheitert ist, helfen andernorts beim Füttern, und nachts schläft der Trupp dicht aneinandergedrängt auf einem Ast. Kontakt halten sie mit dünnen, anhaltenden, schnarrenden Rufen, an denen die Gruppe zu hören ist, bevor sie zu sehen ist.
        • Seidensänger | Cettiidae2 ArtenKleine, gedrungene, matt braune Vögel dichten, feuchten Gebüschs, mit runden Flügeln, einem gerundeten Schwanz und meist nicht mehr als einem hellen Überaugenstreif als Zeichnung; sie bleiben niedrig in der Deckung und werden häufiger gehört als gesehen. Der Gesang steht in keinem Verhältnis zur Körpergröße: ein plötzlicher, lauter Ausbruch von wenigen Sekunden mit langen Pausen dazwischen. Männchen sind deutlich schwerer und langflügeliger als Weibchen und haben oft mehr als ein Weibchen in ihrem Revier, bei dessen Brutpflege sie nicht mithelfen. Bei einem Teil der Familie hat der Schwanz zehn statt der üblichen zwölf Steuerfedern; die Familie selbst wurde erst in diesem Jahrhundert abgegrenzt, nachdem molekulare Untersuchungen gezeigt hatten, dass diese Vögel nicht zu den übrigen Sängern gehören.
        • Laubsänger | Phylloscopidae17 ArtenKleine, schlanke Sänger mit einem dünnen, spitzen Schnabel, oberseits grün bis graugrün und unterseits hell, meist mit einem Überaugenstreif und manchmal mit Flügelbinden. Männchen und Weibchen sind gleich, und die Arten unterscheiden sich untereinander so wenig, dass der einfache, vielfach wiederholte Gesang in der Praxis das zuverlässigste Merkmal ist. Sie sind in Kronen und Gebüsch ununterbrochen in Bewegung: Blätter absuchen, an einer Blattspitze rütteln, ein Insekt in der Luft fangen. Das Nest ist überdacht, mit seitlichem Eingang, auf oder dicht über dem Boden, auch bei Arten, die ansonsten ihr ganzes Leben hoch in den Bäumen verbringen.
        • Bülbüls | Pycnonotidae4 ArtenMittelgroße Singvögel mit einem weichen, lockeren, fast daunigen Gefieder, einem kurzen, dünnen und leicht gebogenen Schnabel mit steifen Borstenhaaren an der Basis und kurzen, schwachen Beinen: Bülbüls laufen kaum und bewegen sich hüpfend durch das Gebüsch. Im Nacken stehen lange, haarartige Federn, und viele Arten können die Scheitelfedern zu einer spitzen Haube aufstellen. Die Nahrung besteht zum größten Teil aus Früchten, ergänzt durch Blüten, Nektar und Insekten, womit sie in warmen Regionen zu den wichtigsten Samenverbreitern gehören. Sie leben paarweise oder in laut rufenden kleinen Gruppen an Waldrändern, in Gebüsch, Obstgärten und Gärten, sitzen gern hoch und frei und lassen dann eine kurze, pfeifende oder zwitschernde Reihe hören. Das Nest ist ein ziemlich dünnwandiger Napf in der Gabel eines Strauchs oder niedrigen Baums, wo beide Eltern die Jungen füttern.
        • Grasmücken | Sylviidae22 ArtenKräftiger gebaut als die Laubsänger, mit dickerem Schnabel und kräftigerem Kopf; es sind Vögel von Gebüsch, Dornhecken und Macchie, die sich niedrig und gedeckt fortbewegen. Viele Arten haben einen nackten Augenring und eine gefärbte Iris, und die Männchen tragen einen dunklen oder kontrastreichen Kopf, während die Weibchen brauner bleiben – bei Singvögeln dieser Größe ist dieser Unterschied ungewöhnlich. Im Sommer fressen sie Insekten, ab dem Spätsommer stellen sie jedoch größtenteils auf Früchte um, mit denen sie ihre Zugfettreserven anlegen und viele Samen verbreiten. Das Nest ist ein dünnwandiger Napf niedrig in einem Strauch; Männchen bauen oft mehrere unvollendete Nester, bevor eines in Gebrauch genommen wird.
        • Papageischnäbel | Paradoxornithidae2 ArtenKleine, rundliche Vögel mit einem sehr langen, gestuften Schwanz und einem Schnabel, dem die Familie ihren Namen verdankt: kurz, hoch, seitlich zusammengedrückt und stark gebogen, wie der eines Papageis im Kleinen. Damit schälen sie harte Samen und spalten Schilfhalme und Bambus auf, um an die Insekten im Inneren zu gelangen. Kräftige Füße umklammern senkrechte Halme, sodass sie durch Schilf, hohes Gras, Bambus und Gebüsch aufwärts klettern; der Flug ist kurz und flatternd, und die meisten Arten bleiben ihr Leben lang im selben Gebiet. Außerhalb der Brutzeit ziehen sie in zwitschernden kleinen Gruppen umher, und Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Das Nest ist ein tiefer Napf, niedrig zwischen die Halme gewoben.
        • Häherlinge | Leiothrichidae3 ArtenMittelgroße Singvögel des dichten Unterwuchses asiatischer Wälder, mit kräftigen Beinen, kurzen, gerundeten Flügeln und einem langen, gestuften Schwanz: Vögel, die mehr klettern und hüpfen als fliegen. Der Schnabel ist kräftig und leicht gebogen und dient gleichermaßen für Insekten wie für Früchte, die am Boden und im Gebüsch gesucht werden. Sie leben fast das ganze Jahr über in laut rufenden kleinen Gruppen, putzen einander den Kopf und helfen bei den Bruten der anderen; die Lautäußerung ist ein anhaltendes Zwitschern und Gackern, das bei vielen Arten in einen gemeinsamen Chor übergeht und dem die Häherlinge ihren Namen verdanken. Neben einfarbig braunen Arten gibt es solche mit kontrastreich gezeichnetem Kopf und Flügel. Das Nest ist ein fester Napf niedrig in einem Strauch.
      • Drosseln, Fliegenschnäpper und Stare | MuscicapidaSingvögel, die von einer festen Warte aus jagen: Aufrecht sitzend blicken sie umher und stürzen sich auf alles, was sich bewegt, oder sie lesen Insekten von Rinde, Ast und Boden ab. Die Beine sind kräftig, der Schnabel ist an der Basis breit und mit Borsten besetzt, und der Gesang ist laut und melodisch, mit einer großen Zahl aufeinanderfolgender Motive. Das erste Gefieder der Jungen ist gefleckt oder geschuppt, auch bei Arten, die als Altvögel einfarbig sind. Im Spätsommer und Winter stellen die meisten Arten weitgehend auf Beeren und anderes weiches Obst um – der Grund dafür, dass Drosseln in kalten Wintern in großer Zahl nach Westen ausweichen.
        • Seidenschwänze | Bombycillidae1 ArtGedrungene Singvögel mit einem weichen, dichten Gefieder ohne Flecken oder Streifen, einer Haube, einer schwarzen Maske und einem kurzen Schnabel mit weiter Mundöffnung. Die roten, hornartigen Plättchen an den Spitzen der Armschwingen, denen die Familie ihren Namen verdankt, kommen bei keiner anderen Vogelgruppe vor; der Schwanz endet in einer leuchtend gelben oder roten Binde. Den größten Teil des Jahres leben sie von Beeren, die ganz geschluckt werden und in wenigen Minuten einen kurzen Darm passieren, sodass ein Trupp sehr große Mengen verarbeiten kann; in der Brutzeit fangen sie Insekten in der Luft über dem Wasser. Ein Nahrungsrevier verteidigen sie nicht, und einen echten Gesang haben sie nicht, nur hohe, silbrige Triller, mit denen der Trupp zusammenbleibt. Das Nest ist ein lockerer Napf aus Zweigen, Moos und Flechten auf einem Seitenast, und das Brutgebiet verschiebt sich von Jahr zu Jahr mit dem Beerenangebot.
        • Seidenwürger | Hypocoliidae1 ArtEine Familie mit nur einer Art: Der Seidenwürger hat keinen lebenden nahen Verwandten. Das Gefieder ist weich und einfarbig aschgrau, fast ohne Zeichnung, mit einem langen Schwanz, der in einer schwarzen Binde endet, und Handschwingen mit schwarzen Spitzen und weißen Enden, die erst im Flug sichtbar werden; das Männchen trägt zudem eine schwarze Maske, die als Band um den Nacken weiterläuft. Der Schnabel ist kurz und leicht hakenförmig, auf Früchte ausgerichtet: Datteln sowie die Beeren des Zahnbürstenbaums und des Salzbaums bilden nahezu die gesamte Nahrung. Außerhalb der Brutzeit streifen sie in Trupps von zehn bis fünfzig Vögeln durch die Oasen, wo sie lautlos in einen Baum einfallen, ihn leer pflücken und weiterziehen. Der Flug ist wellenförmig, die Haltung auf einem Ast aufrecht.
        • Goldhähnchen | Regulidae3 ArtenSehr kleine, rundliche Vögel mit kurzem Schwanz und nadelfeinem Schnabel, mit dem sie Springschwänze, Blattläuse und Spinneneier zwischen Nadeln und aus Rindenspalten picken, meist unter einem Zweigende hängend und manchmal kurz vor dem Laub rüttelnd. Kennzeichnend ist der Scheitel: ein gelber bis feuerroter Streif, beiderseits schwarz gesäumt, der bei Balz und Drohen aufgestellt wird; die Kopfzeichnung gibt bei jeder Art den Ausschlag. Die Stimme liegt hoch, bei etwa acht Kilohertz, so hoch, dass ältere Beobachter die Familie nicht mehr hören. Das Nest ist ein tiefer, hängender Napf aus Moos, Flechten und Spinnweben unter einem Nadelbaumast, innen mit Hunderten von Federchen ausgepolstert, mit acht bis elf Eiern – ein großes Gelege für einen so kleinen Körper. In Winternächten drängen sich die Vögel dicht aneinander, um Wärme zu sparen.
        • Mauerläufer | Tichodromidae1 ArtEine einzige Art, der Mauerläufer, der an senkrechtem Fels lebt wie die Baumläufer an Rinde. Das Gefieder ist schiefergrau, die Flügeldecken sind jedoch karminrot und die Schwungfedern schwarz mit runden weißen Flecken, sodass der Vogel bei jedem Flügelschlag vor der kahlen Wand aufleuchtet. Die Flügel sind breit und gerundet und tragen einen langsamen, unregelmäßigen, flatternden Flug, der entlang einer Felswand eher an einen großen Schmetterling als an einen Singvogel erinnert. Der Schnabel ist lang, dünn und stark gebogen und holt Spinnen und Insekten aus schmalen Spalten und hinter Mospolstern hervor. Ein steifer Stützschwanz fehlt: Der Vogel klammert sich mit langen Zehen und großen, gebogenen Krallen fest und hält das Gleichgewicht, indem er die Flügel fortwährend halb öffnet und schließt, was auf Distanz das beste Erkennungsmerkmal ist. Das Nest liegt tief in einer Felsspalte oder unter einem Überhang, außer Reichweite von Beutegreifern, und beide Eltern füttern die Jungen an der Wand. Die Familie ist an hohe, spaltenreiche Felswände und an die Schutthalden an ihrem Fuß gebunden; im Winter ziehen die Vögel aus dem Hochgebirge zu tiefer gelegenen Felsen, Schluchten, Steinbrüchen und alten Mauern hinab.
        • Kleiber | Sittidae5 ArtenKleine, gedrungene Vögel mit großem Kopf, kurzem Hals und einem kurzen, gerade abgeschnittenen Schwänzchen sowie einem langen, geraden, spitzen Schnabel, der wie ein Meißel in Rindenspalten angesetzt wird. Die Beine sind kurz und kräftig und tragen sehr lange, stark gebogene Krallen; damit klettern sie als einzige Vögel Europas ebenso leicht kopfüber einen Stamm hinab wie hinauf, ohne den Schwanz als Stütze zu benutzen. Sie suchen an Stämmen und Ästen und, bei einigen Arten, an kahlen Felswänden nach Nahrung, wo sie Insekten und Spinnen aus Spalten hervorholen; im Winter stellen sie auf Nüsse und Samen um, die sie in eine Rindenspalte klemmen und mit dem Schnabel aufhacken und die sie auch als Vorrat verstecken. Alle Arten brüten in einer Höhle, und kennzeichnend für die Familie ist, dass die Öffnung mit nassem Schlamm und Lehm zugemauert wird, bis genau ein Vogel hindurchpasst; die Felsenkleiber mauern sogar das ganze Nest, einen krugförmigen Bau an einer Felswand. Die Stimme ist laut, klar und pfeifend, mit einfachen wiederholten Tönen und sich beschleunigenden Trillern, die weit durch Wald und Schlucht tragen. Männchen und Weibchen ähneln einander stark und unterscheiden sich höchstens in der Tiefe des Brauns an Flanken und Unterschwanz oder in der Schärfe der Zeichnung einer schwarzen Kappe.
        • Baumläufer | Certhiidae2 ArtenKleine, braun gesprenkelte Vögel, die den Stamm eines Baums wie eine Maus erklettern, stets von unten nach oben und in einer lockeren Spirale um den Stamm herum; oben in der Krone lassen sie los und fliegen zum Fuß des nächsten Baums, um von Neuem zu beginnen. Der Schwanz ist steif und spitz, mit kräftigen Schäften, und wird bei jedem Schritt als dritter Stützpunkt gegen die Rinde gesetzt, sodass der Vogel schräg zurückgelehnt am Stamm hängt und nie kopfabwärts klettert. Der Schnabel ist dünn, lang und gebogen wie eine Pinzette und sucht in Rindenspalten nach Spinnen, Springschwänzen, Eiern und Puppen; die Zehen sind lang und die Krallen stark gebogen. Das Nest ist eine Plattform aus Zweiglein mit einem Napf aus Rinde, Moos und Federchen darauf, verborgen hinter einer lose abstehenden Rindenplatte oder in einer engen Spalte. Für die Nacht höhlen sie mit dem Schnabel eine ovale Mulde in weicher, faseriger Rinde aus und drücken sich dort mit dem Kopf zum Stamm hinein, allein oder bei Frost zu vielen zugleich. Die Stimme liegt sehr hoch, bei etwa sechs bis acht Kilohertz, so hoch, dass ältere Beobachter die Familie regelmäßig ganz überhören. Die europäischen Arten ähneln einander so stark, dass Ruf und Gesang im Feld häufiger den Ausschlag geben als das Gefieder.
        • Zaunkönige | Troglodytidae1 ArtSehr kleine, rundliche Vögel mit kurzen, runden Flügeln und einem kurzen Schwanz, der oft aufrecht getragen wird, sowie mit einem feinen, leicht gebogenen Schnabel, um Insekten aus Spalten hervorzuholen. Sie bewegen sich mausartig durch die unterste Schicht von Wald, Wallhecken, Mauern und Ufern, schlüpfen in Wurzelteller und Holzstapel und halten sich mehr am Boden als im Strauch auf. Der Gesang ist für einen so kleinen Körper laut: eine lange, harte Strophe mit einem Schnarren darin, das ganze Jahr über zu hören. Das Nest ist eine überdachte Kugel mit seitlichem Eingang, von der das Männchen mehrere baut, sodass das Weibchen wählen kann; bis auf eine Art lebt die gesamte Familie in Amerika.
        • Spottdrosseln | Mimidae1 ArtMittelgroße, schlanke Singvögel mit langem Schwanz, kräftigen Beinen und einem leicht gebogenen Schnabel, mit dem sie viel am Boden in der Laubstreu arbeiten: Blätter wenden, in den Boden hacken und unter Sträuchern scharren. Dem Nachahmen verdankt die Familie ihren Namen; viele Arten übernehmen die Rufe und Gesangsstrophen ihrer Nachbarn und flechten auch Frösche, Insekten und mechanische Geräusche ein. Der Gesang ist lang und wiederholend, mit Phrasen, die zwei- oder dreimal hintereinander vorgetragen werden, bevor der Vogel zur nächsten übergeht, und das Repertoire eines Männchens wächst sein Leben lang weiter. Sie verteidigen ihr Revier heftig und offen und greifen Katzen, Schlangen und Menschen an, die dem Nest zu nahe kommen. Das Nest ist ein fester Napf aus Zweigen niedrig in einem dichten, oft dornigen Strauch. Im Winter stellen viele Arten auf Beeren um und halten auch dann ein Revier besetzt. Die Familie ist auf Amerika und die Karibik beschränkt; keine Art kommt natürlicherweise in Europa vor, und die wenigen europäischen Nachweise betreffen Irrgäste über den Atlantik.
        • Stare | Sturnidae6 ArtenKräftige Vögel mit geradem, spitzem Schnabel und kräftigen Beinen; sie laufen zielstrebig über den Boden, statt zu hüpfen. Nahrung suchen sie, indem sie den geschlossenen Schnabel in die Grasnarbe stecken und ihn dort mit Kraft aufsperren – die Kiefermuskulatur ist darauf ausgelegt, und die Augen sitzen so weit vorn, dass der Vogel am geöffneten Schnabel entlang nach unten blicken kann. Das Gefieder ist bei vielen Arten metallisch glänzend, ein Glanz, der aus der Struktur der Feder und nicht aus Farbstoff stammt, oft mit hellen Tupfen. Sie sind ausgeprägt gesellig: Trupps bei der Nahrungssuche, gemeinsame Schlafplätze und Bruthöhlen dicht beieinander; viele Arten sind gute Imitatoren.
        • Wasseramseln | Cinclidae1 ArtGedrungene Vögel mit einem kurzen, aufgestellten Schwanz, kräftigen Beinen mit langen Zehen und starken Krallen und einem dichten, fettreichen Gefieder mit weit mehr Federn, als ein Singvogel derselben Größe gewöhnlich trägt; die Bürzeldrüse ist im Verhältnis sehr groß und liefert das Öl, mit dem die Federn wasserdicht bleiben. Sie tauchen von einem Stein oder aus dem Flug ins Wasser ein, rudern unter Wasser mit den kurzen, runden Flügeln und laufen mit dem Kopf nach unten gegen die Strömung über den Grund, sodass das Wasser sie gegen den Kies drückt. Unter Wasser verschließt eine kleine Klappe die Nasenlöcher, eine durchsichtige Nickhaut schiebt sich über das Auge, und das schwere, wenig lufthaltige Skelett hält sie dicht am Grund. Sie ernähren sich von Köcherfliegen-, Eintagsfliegen- und Steinfliegenlarven sowie kleinen Krebstieren, die unter den Steinen sitzen. Das Nest ist eine Kugel aus Moos mit seitlichem Eingang, gebaut hinter einem Wasserfall, in einer Ufermauer oder unter einer Brücke, oft nur durch das spritzende Wasser hindurch erreichbar. Der Gesang ist laut und anhaltend und liegt genau in einer Tonhöhe, die über das Rauschen des Wassers hinwegträgt; beide Geschlechter singen, das ganze Jahr über. Weltweit umfasst die Familie nur fünf Arten, alle an schnell fließendes Wasser gebunden.
        • Drosseln | Turdidae12 ArtenMittelgroße Vögel mit aufrecht getragenem Körper, langen, kräftigen Beinen und einem mäßig langen, schlanken Schnabel. Am Boden arbeiten sie in kurzen Etappen – einige Sprünge, Innehalten, Lauschen und Schauen, dann Zustoßen –, und im Spätsommer und Winter stellen sie größtenteils auf Beeren und Fallobst um, was erklärt, warum ganze Populationen bei Frost plötzlich nach Südwesten ausweichen. Der Gesang ist laut und flötend, mit wiederholten Motiven, und wird von einer hohen, freien Warte vorgetragen, vor allem am frühen Morgen und in der Dämmerung. Das Nest ist ein fester Napf, bei vielen Arten innen mit Lehm verputzt; Jungvögel sind gefleckt, auch wenn die Eltern einfarbig sind.
        • Fliegenschnäpper | Muscicapidae42 ArtenÄußerlich haben diese Vögel wenig gemeinsam: Ihre Zusammenfassung beruht vor allem auf dem Bau des Schädels und auf genetischen Daten, weshalb die Fliegenschnäpper und die früher zu den Drosseln gestellten Steinschmätzer, Rotschwänze und Nachtigallen heute zu einer Familie gehören. Gemeinsam sind ihnen ein kleiner Körper mit einem dünnen, spitzen Schnabel mit Borsten an der Basis sowie der Insektenfang von einer Warte aus: Die einen fliegen einem fliegenden Insekt nach oben hinterher, die anderen lassen sich von einer niedrigen Warte auf den Boden fallen. Viele Arten haben Farbe im Schwanz – rostrot, weiße Seiten oder eine schwarz-weiße Zeichnung – und zeigen sie mit einem Ruck beim Landen. Sie brüten in Höhlen und Spalten oder in einem gut versteckten Napf, und nahezu alle europäischen Arten ziehen nach Afrika.
      • Finken, Sperlinge und Ammern | PasseridaSamen sind hier die Hauptnahrung der Altvögel: Der Schnabel ist kegelförmig oder fein und pinzettenartig, die Nahrung wird laufend oder hüpfend am Boden gesucht, und die Vögel müssen täglich trinken. Die Jungen erhalten dennoch fast überall Insekten, auch bei Arten, deren Altvögel ausschließlich Samen fressen. Männchen und Weibchen unterscheiden sich häufiger und stärker im Gefieder als in den anderen Gruppen, und der Gesang ist kurz und repetitiv, vorgetragen von einer offenen Sitzwarte oder in einem Singflug über offenem Gelände. Außerhalb der Brutzeit sammeln sich viele Arten in Trupps dort, wo Samen liegen: auf Stoppelfeldern, Ruderalflächen und an Futterstellen am Haus.
        • Nektarvögel | Nectariniidae1 ArtKleine, spitz gebaute Vögel mit einem dünnen, gebogenen Schnabel und einer Zunge, die an der Spitze zu einem Röhrchen eingerollt ist und in Fransen endet: Damit wird Nektar wie durch einen Strohhalm aus der Blüte gesaugt. Anders als die Kolibris, denen sie äußerlich ähneln, mit denen sie aber nicht verwandt sind, bleiben sie beim Trinken fast immer sitzen; sie klammern sich am Blütenstiel fest und rütteln höchstens eine Sekunde lang. Das glänzende Blau, Grün und Purpur der Männchen ist kein Pigment, sondern Strukturfarbe: Schichten in der Feder brechen das Licht, sodass der Vogel beim Drehen von Schwarz zu Metall umschlägt. Seitlich an der Brust sitzen oft leuchtend gefärbte Federbüschel, die nur bei der Balz oder bei Drohverhalten aufgestellt werden. Das Nest ist ein hängender Beutel aus Pflanzenfasern und Spinnweben mit seitlichem Eingang und einem kleinen Vordach, das allein vom Weibchen gebaut wird.
        • Webervögel | Ploceidae2 ArtenKleine bis mittelgroße Samenfresser mit einem kurzen, kräftigen Kegelschnabel und kräftigen Füßen, die ihr Nest nicht aufschichten, sondern knüpfen. Das Männchen beginnt mit einem Ring: Es reißt einen schmalen Streifen aus einem Schilf- oder Palmblatt, schlingt ihn um einen Halm oder einen dünnen Zweig und zieht das Ende mit dem Schnabel durch die Schlaufe. Von diesem Ring aus arbeitet es nach vorn und nach hinten weiter, bis eine geschlossene Kugel entstanden ist, mit der Öffnung unten oder oben und bei manchen Arten mit einer kurzen Einflugröhre darunter; Schnabel und Fuß dienen dabei als Webstuhl, und die Arbeit dauert zwei bis drei Tage. Das Weibchen baut nicht mit, sondern prüft das Nest und polstert das Innere mit Pflanzenwolle und Samenfedern aus; lehnt es das Nest ab, wird dieses abgerissen und neu begonnen. Ein Männchen baut so Nest um Nest für aufeinanderfolgende Weibchen, und in einem geeigneten Schilfgürtel oder Baum hängen Dutzende bis Hunderte Nester beieinander.
        • Witwenvögel | Viduidae1 ArtKleine Samenfresser mit einem dicken, oft korallenroten Kegelschnabel, die selbst kein Nest bauen und keine Jungen aufziehen. Das Weibchen legt seine weißen Eier in Nester von Prachtfinken; das Wirtspaar brütet sie aus und füttert das fremde Junge zusammen mit den eigenen Jungen auf, denn es wird nichts aus dem Nest geworfen. Möglich ist das, weil das Junge bis in die Einzelheiten seinem Wirtsvogel entspricht: dieselben Punkte, Flecken und farbigen Papillen im hinteren Teil des aufgesperrten Schnabels, dieselbe Bettelhaltung und derselbe Bettelruf wie bei den Nestgeschwistern neben ihm. Jede Art ist dabei an einen eigenen Kreis von Wirten gebunden, und die Männchen übernehmen den Gesang ihres Wirtsvogels in das eigene Repertoire, sodass die Weibchen zur richtigen Art finden. Die Männchen tragen zur Brutzeit Schwarz, Weiß und teils verlängerte Schwanzfedern, mit denen sie über dem Weibchen schwebend balzen; außerhalb der Brutzeit sind alle Arten sperlingsartig gestreift und nahezu nur an der Schnabelfarbe zu unterscheiden.
        • Prachtfinken | Estrildidae6 ArtenKleine bis sehr kleine Samenfresser mit einem kurzen, dicken Kegelschnabel – bei vielen Arten leuchtend korallenrot, bei anderen silbergrau oder blauschwarz – und einem gedrungenen Körper mit kurzen, runden Flügeln und einem schnellen, leicht wellenförmigen Flug. Sie leben das ganze Jahr über in Trupps und holen ihre Nahrung vom Samenstand selbst: kletternd, hängend oder indem sie den Halm mit dem eigenen Gewicht herabbiegen, und außerdem vom Boden darunter. Das Nest ist eine geschlossene Kugel aus verflochtenen Grashalmen mit seitlichem Eingang, oft zu einer kurzen Eingangsröhre verlängert, niedrig in einem Grasbult, einem Dornbusch oder dichtem Schilf; beide Eltern bauen und brüten abwechselnd. Die Jungen tragen im hinteren Teil des aufgesperrten Schnabels ein festes Muster aus schwarzen Punkten und Strichen, mit farbigen Papillen an den Schnabelwinkeln, die im Dunkel der Nestkugel aufleuchten und den Eltern zeigen, wohin das Futter gehört. Dieses Futter ist Samen, den die Eltern im Kropf aufgeweicht herbeibringen und Junges für Junges verteilen.
        • Braunellen | Prunellidae4 ArtenKleine, gedrungene Vögel mit sperlingsartigem Körper und einem matt braungrauen, oberseits gestreiften Gefieder, jedoch mit einem dünnen, geraden und spitzen Schnabel, mit dem sie Insekten, Spinnen und Springschwänze aus Streu, Moos und Felsspalten picken; im Winter stellen sie auf feine Samen um. Sie suchen ihre Nahrung laufend und trippelnd am Boden, mit kleinen Schritten und leicht gekrümmtem Rücken, selten weit von Deckung entfernt, und alle paar Sekunden mit einem kurzen Zucken von Flügel und Schwanz. Die Kopfzeichnung trennt die Arten: eine graue Kappe, eine schwarz gesprenkelte Kehle, ein breiter heller Überaugenstreif. Kennzeichnend ist das Paarungssystem: Viele Arten leben nicht in Paaren, sondern in Gruppen aus zwei oder mehr Männchen mit einem oder mehreren Weibchen, die ein Revier teilen, einander anhaltend verfolgen und mit erhobenem, zitterndem Flügel balzen; die Versorgung der Jungen wird danach auf mehrere Vögel verteilt. Die Eier sind einfarbig blau. Eine Gattung, ausschließlich in Eurasien und Nordafrika, mit dem Schwerpunkt in den Gebirgen Asiens.
        • Sperlinge | Passeridae10 ArtenGedrungene, kurzbeinige Samenfresser mit einem kräftigen Kegelschnabel, dessen Schneidekanten ein Getreidekorn aufknacken. In der Zunge sitzt ein kleiner zusätzlicher Knochen, das Praeglossale, der als Amboss dient: Das Korn wird gegen den Gaumen gedreht, die Schale abgeschält und der Kern geschluckt, und der ganze Vorgang dauert eine Sekunde. Altvögel ernähren sich von Samen; die Jungen werden mit Raupen und Blattläusen aufgezogen. Das Nest ist eine unordentliche, überdachte Kugel aus Halmen, Stroh und Federn, in eine Höhlung gestopft – Baumhöhle, Mauerspalte, Dachziegel oder das verlassene Nest einer anderen Art – und befindet sich meist in lockeren Kolonien, mit zwei bis vier Bruten im Jahr. Gebadet wird in trockenem Staub: Der Vogel scharrt eine kleine Mulde aus und arbeitet den Sand durch sein Gefieder. Mehrere Arten leben das ganze Jahr über beim Menschen, in Dörfern, auf Höfen, in Städten und bei Getreidelagern, wo verschüttetes Futter und die Bebauung selbst Nahrung und Nisthöhlen liefern.
        • Stelzen und Pieper | Motacillidae18 ArtenSchlanke, langbeinige Singvögel, die laufen statt hüpfen: Der Fuß stößt sich ab, der Kopf nickt mit, und der lange Schwanz wippt dabei unablässig auf und ab – bei den Stelzen so kräftig, dass der ganze Körper mitfedert. Der Schnabel ist dünn, gerade und spitz, gebaut, um Insekten vom Boden, von nassen Steinen oder aus der Luft zu picken; das Bein ist hoch und dünn, und bei den Piepern ist die Kralle der Hinterzehe stark verlängert, fast so lang wie die Zehe selbst, was Halt in Gras und Seggen gibt. Zwei Erscheinungsformen bei gleichem Körperbau: die Stelzen kontrastreich gezeichnet in Schwarz, Weiß, Grau und Gelb, die Pieper braun und gestreift und untereinander vor allem an Ruf und Flügelformel zu unterscheiden. Das Nest ist ein kleiner Napf am Boden, versteckt unter einem Bult oder in einer Nische, und der Gesang wird in der Luft vorgetragen: aufsteigen, singen und in einem sinkenden Fallschirmflug wieder herabkommen.
        • Finken | Fringillidae33 ArtenDer kegelförmige Schnabel ist das Kennzeichen: Der Samen wird nicht geschluckt, sondern geschält, in einer Rinne im Gaumen festgeklemmt, während der Unterschnabel die Hülle abschiebt. Je kräftiger der Schnabel, desto härter der Kern, den er bewältigt, sodass die Form von Art zu Art erkennen lässt, worauf der Vogel angewiesen ist. Außerhalb der Brutzeit streifen sie in Trupps über samenreiche Äcker, Wälder und Ufer, mit wellenförmigem Flug und anhaltenden Kontaktrufen, an denen sie auf Entfernung zu erkennen sind. Anders als die meisten Singvögel füttern viele Arten ihre Jungen nicht mit Insekten, sondern mit hervorgewürgten Samen, die sie in einer Ausstülpung der Speiseröhre mitführen.
        • Spornammern und Schneeammern | Calcariidae2 ArtenDer Name der Familie bezieht sich auf die Hinterzehe: Die Kralle ist lang und nahezu gerade, länger als die Zehe selbst, und gehört zu Vögeln, die laufend auf ebenem, baumlosem Gelände leben. Es sind gedrungene Samenfresser mit einem kurzen Kegelschnabel, langen spitzen Flügeln und einem schnellen, niedrigen Flug, die laufen statt hüpfen. Die Familie ist klein und ganz auf den hohen Norden beschränkt: offene Tundra und Blockfelder im Sommer, Küsten, Salzwiesen und Stoppelfelder im Winter. Sommer- und Winterkleid unterscheiden sich stärker als bei nahezu jeder anderen Singvogelfamilie: Das kontrastreich gezeichnete Männchen des Juni ist im Oktober ein braun gestreifter Vogel. Eine Singwarte über der Ebene fehlt, daher wird der Gesang in einem kurzen Singflug vorgetragen – Aufsteigen und dann mit steifen Flügeln Hinabgleiten. Das Nest steht am Boden zwischen Steinen oder in einem Bult. Die Gruppe wird seit etwa 2010 in eine eigene Familie gestellt, getrennt von den Ammern der Alten Welt.
        • Ammern | Emberizidae17 ArtenEbenfalls Samenfresser mit Kegelschnabel, jedoch anders gebaut als die Finken: Der Oberschnabel ist schmaler als der Unterschnabel, mit gewellten Schneidekanten, und im Gaumen sitzt ein harter Höcker, gegen den der Samen gerollt und geschält wird; der Mundwinkel weist zudem einen deutlichen Knick auf. Es sind Vögel des Offenlands – Äcker, Heiden, Brachen, Berghänge –, die am oder dicht über dem Boden nach Nahrung suchen und ihre Jungen jedoch mit Insekten aufziehen. Weibchen und Jungvögel sind braun und gestreift, Männchen tragen eine kontrastreich gezeichnete Kopfpartie; im Flug ist der ziemlich lange Schwanz mit weißen äußeren Steuerfedern sichtbar. Der Gesang ist kurz, trocken und wird gleichförmig von einer niedrigen Warte aus wiederholt, und das Nest steht am Boden oder niedrig in der Vegetation.
        • Neuweltammern | Passerellidae4 ArtenDie Ammern der Neuen Welt: Samenfresser mit einem kurzen Kegelschnabel, kräftigen Füßen und einem ziemlich langen, abgerundeten Schwanz, oberseits meist braun und gestreift. Sie suchen ihre Nahrung am Boden in der Streu und unter Sträuchern, mit einer Art des Scharrens, die die gesamte Familie kennzeichnet: Beide Füße werden in einem kurzen Hüpfer gleichzeitig nach hinten geschoben, sodass die Streu in einer Bewegung wegfliegt und der kahle Boden mit Samen freigelegt wird. Die Kopfzeichnung ist das Merkmal, auf dem die Bestimmung beruht: Scheitelstreifen, Überaugenstreif, Augenstreif und Bartstreif in festen Mustern, während die Färbung von Rücken und Flanken wenig aussagt. Das Nest ist ein kleiner Napf am Boden oder niedrig in einem Strauch, oft unter einem Grasbult verborgen. So sehr sie auch den Ammern Europas ähneln, werden sie seit etwa 2017 in eine eigene Familie gestellt, getrennt von den Emberizidae.
        • Stärlinge | Icteridae1 ArtEine ausschließlich amerikanische Familie, die mit dem gewöhnlichen Singvogelschnabel etwas anderes macht als die übrigen. Der Schnabel ist gerade, scharf und ohne Haken und wird nicht benutzt, um etwas zuzukneifen, sondern um es aufzuhebeln: Der Vogel steckt die geschlossene Spitze in eine Blattscheide, ein eingerolltes Blatt oder einen Spalt in der Rinde und drückt die Kiefer dann auseinander, sodass die Nahrung freigelegt wird. Schädel und Kiefermuskulatur sind darauf ausgelegt, und ein großer Teil der Familie ernährt sich auf diese Weise. Bei vielen Gruppen sind die Männchen kontrastreich in Gelb, Orange oder Rot vor Schwarz gezeichnet, während die Weibchen matter und grünlicher bleiben. Mehrere Gattungen weben ein tief herabhängendes Nest aus Pflanzenfasern am Ende eines Zweigs, außer Reichweite kletternder Prädatoren; andere bauen einen Napf in Schilf oder Gebüsch oder legen ihre Eier in die Nester anderer Vögel. Die Familie kommt nur in Nord-, Mittel- und Südamerika vor; in Europa handelt es sich ausschließlich um Irrgäste.
        • Waldsänger | Parulidae3 ArtenKleine, kurzschnäblige Insektenfresser des Laubdachs, neun bis fünfzehn Zentimeter lang und selten schwerer als fünfzehn Gramm. Sie suchen eine Baumkrone systematisch ab, picken Raupen und Blattläuse von der Unterseite der Blätter, hängen an einem Zweigende oder fangen ein Insekt in einem kurzen Flug. Das Gefieder wechselt stark mit der Jahreszeit: Im Frühjahr tragen die Männchen scharf begrenzte Flächen in Gelb, Schwarz, Blau, Orange oder Kastanienbraun, und nach der Mauser im Herbst sind Männchen, Weibchen und Jungvogel alle drei grünlich und undeutlich gezeichnet, sodass ein Herbstvogel anhand einer Handvoll Details bestimmt werden muss: Unterschwanzdecken, Beinfarbe, Flügelbinden, Bürzel. Fast alle Arten ziehen, manche Tausende Kilometer und einige ohne Unterbrechung über den Golf von Mexiko oder den Atlantik, mit einem Körpergewicht von zehn Gramm. Trotz des Namens haben sie nichts mit den Sängern Europas zu tun: Sie werden in eine eigene, ausschließlich amerikanische Familie gestellt.
        • Kardinäle | Cardinalidae1 ArtEine ausschließlich amerikanische Familie mittelgroßer Samenfresser, erkennbar am Schnabel: kräftig, kurz und rein kegelförmig, mit gebogenem Oberrand und breiter Basis, gebaut, um harte Samen und Kerne zu knacken und im Sommer auch Raupen und Käfer zu verarbeiten. Das zweite Merkmal ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Das Männchen im Brutkleid trägt eine einzige gesättigte Farbe über nahezu den ganzen Körper – Rot, tiefes Blau oder Blau mit Kastanienbraun und Gelb –, während das Weibchen warmbraun bis olivgrün ist, mit höchstens einem Anflug dieser Farbe an Bürzel und Schwanzrändern. Außerhalb der Brutzeit mausert das Männchen in dasselbe unauffällige Braun, sodass Herbst- und Wintervögel kaum nach Geschlecht und Alter zu unterscheiden sind und anhand von Schnabelform und Schwanzlänge betrachtet werden müssen. Sie leben in Gebüsch, an Waldrändern und verwilderten Säumen, singen von einer hohen Warte aus und bauen ein offenes Nest niedrig in einem Strauch.