Alle Arten › Sperlingsvögel › Rohrsänger › Mariskensänger
Mariskensänger | Acrocephalus melanopogon
Zwartkoprietzanger | Moustached Warbler | Carricerín real | זמירון | Lusciniole à moustaches
Der einzige gestreifte Acrocephalus, dem man im Januar im Schilf begegnen kann: ein Jahresvogel mediterraner Sümpfe mit rußschwarzem Scheitel, reinweißem Überaugenstreif und der Gewohnheit, den Schwanz hochzuschlagen, während er die Schilfbasis knapp über dem Wasser absucht. Im Februar singt er bereits voll, Wochen bevor irgendein ziehender Rohrsänger zurück ist.
Stimme
Der Gesang beginnt, wo kein anderer Acrocephalus beginnt: mit einer Reihe langsamer, klarer, ansteigender Pfiffe, lu-lu-lu-lu, die an eine Nachtigall erinnern, bevor er in ein schnelles, kratzendes Durcheinander aus Rollern und nasalen Tönen übergeht, ganz ähnlich dem des Schilfrohrsängers. Dieser Auftakt ist im gesamten Mittelmeerraum das entscheidende Merkmal. Er singt früh – ab Ende Januar, mit dem Höhepunkt im Februar und März –, auch nachts, und beginnt oft im Herbst erneut. Ruf: ein hartes, trockenes tchek und bei Gefahr ein ratterndes tcherrr.
Aufnahme: GESHORS Yann — CC BY-SA 4.0 · xeno-canto
Bestimmung
Etwas kleiner und kompakter als der Schilfrohrsänger, mit kurzem, gerundetem Flügel und einem Schwanz, der regelmäßig gestelzt wird. Der Scheitel ist rußschwarz bis dunkel schiefergrau und fast ungestreift und setzt sich scharf gegen einen breiten, reinweißen Überaugenstreif ab, der auch hinter den Ohrdecken breit bleibt und gerade abschließt. Die Zügel sind schwarz und die Ohrdecken gräulich; zusammen ergeben sie das maskierte Gesicht. Der Mantel ist warm kastanienbraun mit kräftigen schwarzen Streifen, der Bürzel einfarbig rostfarben und ungestreift. Die Kehle ist weiß gegen eine cremefarbene Unterseite mit warm beigen Flanken. Der Schnabel ist fein und spitz, die Beine dunkel fleischfarben bis graubraun. Die Handschwingenprojektion ist kurz, kürzer als beim Schilfrohrsänger, sodass der Vogel rund und kurzflügelig wirkt.
Verwechslungsarten
Der Schilfrohrsänger ist die maßgebliche Art – siehe auch dessen eigene Seite. Bei ihm ist der Scheitel dunkelbraun und deutlich gestreift mit unscharfem Rand, der Überaugenstreif ist cremefarben oder gebrochen weiß statt reinweiß und verschmälert sich nach hinten, und Zügel und Ohrdecken sind braun statt schwarz und grau. Der Mariskensänger wirkt zudem kurzflügeliger und rundschwänziger, ist am Rücken wärmer kastanienbraun und stelzt den Schwanz, was der Schilfrohrsänger nicht tut. Der Seggenrohrsänger hat einen breiten hellen Scheitelstreif zwischen zwei schwarzen Bändern, einen fein gestreiften Bürzel und zwei helle Streifen auf dem Rücken. Teich- und Sumpfrohrsänger sind oberseits völlig ungestreift und zeigen nur einen kurzen, schwachen Überaugenstreif; der Teichrohrsänger hat dazu einen warm rostfarbenen Bürzel und graubraune Beine, der Sumpfrohrsänger einen matt olivfarbenen Bürzel und hell fleischfarbene Beine. Der Rohrschwirl hat einen ungezeichneten braunen Scheitel, einen undeutlichen Überaugenstreif und einen stark gestuften Schwanz und schwirrt statt zu pfeifen. Eine Abkürzung erspart im Süden viel Arbeit: Dies ist der einzige gestreifte Acrocephalus, der mitten im Winter im mediterranen Schilf sitzt.
Lebensraum
Dauerhaft nasse, alte Schilfbestände mit vielen abgestorbenen stehenden Halmen und einer dichten Streuschicht, vor allem aber Schneiden- und Seggenriede, die das ganze Jahr Wasser führen. Anders als der Schilfrohrsänger meidet er austrocknende Ränder und lichtes junges Schilf: Er braucht einen stabilen Wasserstand und einen verfilzten, mehrjährigen Bestand, in dem er wenige Zentimeter über dem Wasser nach Nahrung suchen kann, vielfach an den Halmbasen und auf Schwimmblättern. Auch in Brackwasserlagunen und in den breiten Schilfsäumen von Reisfeldern und Kanälen, sofern das Schilf alt und dicht ist. Das Nest hängt niedrig über dem Wasser zwischen Seggen- oder Schilfhalmen.
Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.
Verbreitung und Zug
Ein Flickenteppich aus Sümpfen rund um das Mittelmeer und das Schwarze Meer: Iberische Halbinsel, Provence und Languedoc, Italienische Halbinsel, das Pannonische Becken mit seinem Schwerpunkt am Neusiedler See, der Balkan und Anatolien, mit verstreuten Vorkommen in Nordwestafrika und im Nahen Osten und ostwärts über den Kaspischen Raum weit nach Zentralasien. Westliche Vögel bleiben das ganze Jahr und wechseln höchstens von einem Sumpf zum nächsten; östliche Populationen ziehen nach Süden. Nördlich der Alpen hat die Art nie Fuß gefasst. In Nordwesteuropa ist sie ein sehr seltener Irrgast; die nächsten Brutplätze liegen am Golfe du Lion und in der Poebene. Auf der Iberischen Halbinsel und den Balearen brütet sie in der Albufera de Valencia und den Sümpfen von Valencia und Castellón, im Ebrodelta, in einigen Feuchtgebieten im Binnenland und in der s'Albufera auf Mallorca, und sie fehlt in weiten Gebieten, die einst alte Schilfbestände hatten.
- Jahresvogel
- Brutvogel (Sommer)
- Winter
- Durchzug
- dunkel = Kerngebiet, hell = dünn verbreitet
Wie und wann beobachten
Februar oder März in der Camargue, im Ebrodelta oder in der Albufera de Valencia, kurz nach Sonnenaufgang. Er singt bereits, wenn noch kein ziehender Rohrsänger zurück ist, und das halbiert die Arbeit: Ein Rohrsänger, der in diesen Monaten im Schilf mit nachtigallartigem Auftakt singt, ist diese Art. Dann den Vogel niedrig zwischen den Schilfbulten suchen – er sucht oft wenige Zentimeter über dem Wasser nach Nahrung – und auf schwarzen Scheitel, weiße Kehle und gestelzten Schwanz prüfen. Läuft das Schilf in einen trockenen Rand aus, weitergehen: Dieser Vogel lebt dort, wo das Wasser das ganze Jahr steht.
Gefährdungsstatus
Weltweit nicht gefährdet (LC), doch diese Einstufung verdeckt, wie stark die Art am Westrand ihres Areals zurückgegangen ist. Sie ist vollständig auf dauerhaft nasse, alte Schilf- und Seggensümpfe angewiesen, und genau diese sind rund um das Mittelmeer durch Entwässerung, Wasserentnahme, Versalzung und das alljährliche Mähen und Abbrennen von Schilf selten geworden. Auf der Iberischen Halbinsel und den Balearen gehört sie heute zu den am stärksten bedrohten Sumpfvögeln, mit der Albufera de Valencia, den valencianischen Küstenmooren, dem Ebrodelta und der s'Albufera auf Mallorca als letzten Hochburgen, und die Zahlen dort sind in den letzten Jahrzehnten stark gesunken. Sie reagiert rasch auf Pflegemaßnahmen: Wo der Wasserstand ganzjährig hoch gehalten und Altschilf stehengelassen wird, baut sich der Bestand innerhalb weniger Jahre wieder auf.
Wissenschaftlicher Name
Acrocephalus melanopogon | (Temminck, 1823)
Temminck beschrieb die Art 1823 als Sylvia melanopogon; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Acrocephalus wurde 1811 von Naumann & Naumann eingeführt. Acrocephalus ist griechisch, von akros ‚oberster, spitz‘ und kephalē ‚Kopf‘; die Naumanns, die die Gattung einführten, nannten diese Vögel Spitzkopf und verstanden akros also als ‚spitz‘. melanopogon bedeutet griech. ‚Schwarzbart‘, von melas, Genitiv melanos, ‚schwarz‘, und pōgōn ‚Bart‘, nach der dunklen Kopfzeichnung. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus dem Umland von Rom.



