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Waldrapp | Geronticus eremita

Heremietibis | Northern Bald Ibis | Ibis eremita | מגלן מצויץ | Ibis chauve

Ein schwarzer, metallisch glänzender Ibis mit nacktem rotem Kopf und zerzaustem Nackenkragen, der nicht im Sumpf, sondern an einer Felswand brütet. Um 1600 verschwand er aus den Alpen und wurde im zwanzigsten Jahrhundert zu einem der seltensten Vögel der Erde; jeder Waldrapp, den man heute in Europa sieht, ist das Ergebnis eines Wiederansiedlungsprojekts.

Waldrapp (Geronticus eremita)
Hauptfoto · Foto: Charles J. Sharp — CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

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Stimme

In der Kolonie ein heiseres, kehliges chrup oder hroomp und ein höheres, raues hyoh, oft zur Begrüßung bei der Ablösung am Nest, mit nickendem Kopf und aufgestelltem Kragen. Abseits der Kolonie ist die Art praktisch stumm; Nahrung suchende Trupps sind still. Der Laut trägt nicht weit – eine Brutwand verrät sich eher durch weißen Kot und Flügelschlagen als durch Stimmen.

Anhören: RufXC712492

Aufnahme: SonoNatura — CC BY-NC-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Bestimmung

Mittelgroßer, gedrungener Ibis mit kurzem Schwanz und langen Beinen. Auf Entfernung einheitlich schwarz, aus der Nähe auf Mantel und Flügeldecken stark grün, bronzefarben und purpurn glänzend. Kopf und Vorderhals sind unbefiedert: matt karminrot an Gesicht und Kehle, schiefergrau am Scheitel, mit orangerotem Auge. Lange, schmale Federn am Hinterkopf hängen wie ein vom Wind zerzauster Kragen über den Hals – das Merkmal, an dem die Art in jeder Haltung zu erkennen ist. Der lange, sichelförmige Schnabel und die Beine sind rot. Im Flug: breite, gerade abgeschnittene Flügel, gestreckter Hals, kurzer Schwanz und schnelle, ziemlich flache Schläge, unterbrochen von kurzen Gleitphasen. Jungvögel haben einen grau befiederten Kopf, einen matteren Schnabel und fast keinen Kragen.

Verwechslungsarten

Der Sichler ist die einzige echte Verwechslungsart und unterscheidet sich in jedem Punkt. Er ist deutlich schlanker und viel langbeiniger, im Brutkleid tief kastanienbraun mit grünem Glanz auf Flügel und Rücken statt einheitlich schwarz, und hat einen befiederten Kopf mit nur einer schmalen nackten Linie und einem weißen Saum um die Schnabelbasis, aber keinen Kragen. Im Flug entscheidet der Beinüberstand: Beim Sichler ragt der ganze Unterschenkel weit über den Schwanz hinaus, beim Waldrapp reichen die Zehen kaum darüber, was den Vogel kürzer und kompakter wirken lässt. Ein entfernter Trupp kann an Krähen oder sogar Schwarzstörche erinnern, bis der lange, abwärts gebogene Schnabel sichtbar wird.

Lebensraum

Steile Felswände mit breiten Bändern, Nischen und Überhängen – Meeresklippen ebenso wie Felsen im Binnenland – in der Nähe offenen, kurz beweideten oder steinigen Geländes. Sucht schreitend und stochernd in trockener Steppe, extensiv beweideten Weiden, Brachen, Stoppelfeldern und küstennahen Sandflächen Nahrung und nimmt mit dem gebogenen Schnabel Käfer, Heuschrecken, Larven, Eidechsen und Würmer. Anders als die meisten Ibisse braucht er kein Wasser; bedroht wird er stattdessen durch Dürre und den Verlust extensiver Beweidung.

Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.

Verbreitung und Zug

Die einzige durchgehend wilde Population lebt an der Atlantikküste Nordwestafrikas, im und um den Nationalpark Souss-Massa und bei Tamri, und umfasst mehr als siebenhundert Vögel. Europa hat zwei Schwerpunkte, beide aus Wiederansiedlungen: die seit 2004 aufgebauten ortstreuen Kolonien in der Provinz Cádiz – La Barca de Vejer, Castilnovo und San Ambrosio – und die ziehende Alpenpopulation des Waldrappteams, die an der Alpennordseite brütet und in der Toskana überwintert, auf einer Route, die in den letzten Jahren in Richtung Iberische Halbinsel umgelenkt wurde. In Anatolien besteht bei Birecik am Euphrat eine halbwilde Kolonie, die außerhalb der Brutzeit in Gefangenschaft gehalten wird. Historisch brütete die Art vom Maghreb und der Iberischen Halbinsel über die Alpen und den Balkan bis in die Levante.

  • Jahresvogel
  • Brutvogel (Sommer)
  • Winter
  • Durchzug
  • dunkel = Kerngebiet, hell = dünn verbreitet
Dichtekarte aus den Nachweisen von GBIF (2006-09-01 – 2026-08-31), gezählt je 0,7°-Rasterzelle und Monat und geteilt durch alle Vogelnachweise in derselben Zelle – so bestimmt die Zahl der Beobachter nicht das Bild. Die Farbtiefe folgt diesem Anteil und läuft allmählich aus, sodass die Karte nicht den Staatsgrenzen folgt. Ländergrenzen: Natural Earth (gemeinfrei).

Wie und wann beobachten

In Andalusien ist die Kolonie an der Felswand von La Barca de Vejer (Cádiz) bei Weitem am einfachsten: vom gegenüberliegenden Flussufer zu den Felsbändern hinaufschauen und die Köpfe mit Kragen zählen; im Frühjahr sind die Vögel den ganzen Tag aktiv und queren tief über der Straße. Außerhalb der Brutzeit suchen sie in kleinen Trupps auf den umliegenden Weiden und Stoppelfeldern Nahrung, wo sie auf Entfernung für Rabenkrähen gehalten werden, bis man den Schnabel sieht. Für die wilde Population die Küstenebene bei Tamri nördlich von Agadir aufsuchen, am besten früh am Morgen. Fast alle europäischen Vögel tragen Farbringe und oft einen Sender – die Codes notieren, die Projekte schätzen sie.

Gefährdungsstatus

IUCN: Endangered. 2018 wurde die Art von Critically Endangered herabgestuft, nachdem sich der wilde Bestand in Nordwestafrika in zwei Jahrzehnten mehr als verdreifacht hatte; zuvor zählte sie zu den seltensten Vögeln der Welt. Dass man sie in Europa überhaupt sehen kann, ist ganz der Wiederansiedlung zu verdanken. Das Proyecto Eremita zieht seit 2004 in Cádiz in Gefangenschaft gezüchtete Junge auf und lässt sie ausfliegen; 2008 brütete erstmals ein Paar in freier Wildbahn, und in den letzten Brutzeiten wurden mehr als fünfzig Küken pro Jahr beringt – die Kolonie ist inzwischen ortstreu und nähert sich der Selbsterhaltung. Das Waldrappteam bringt seit 2004 handaufgezogenen Jungvögeln die Zugroute über die Alpen hinter einem Ultraleichtflugzeug bei; diese Vögel brüten inzwischen selbstständig, doch das wärmere Klima hat die herbstliche Alpenüberquerung so erschwert, dass die Route nach Südwesten verlegt wurde. Die Lage bleibt prekär: illegaler Abschuss entlang des Zugwegs, Kollisionen mit Stromleitungen, Verlust von Nahrungsflächen durch Intensivierung und Dürre sowie eine schmale genetische Basis.

Wissenschaftlicher Name

Geronticus eremita | (Linnaeus, 1758)

Linnaeus beschrieb die Art 1758 als Upupa eremita; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Geronticus wurde 1832 von Wagler eingeführt. Geronticus kommt von griech. gerōn ‚alter Mann‘ und spielt auf den kahlen, runzeligen Kopf an. eremita ist spätlateinisch für ‚Einsiedler‘, von griech. erēmia ‚Wüste‘, nach den trockenen Gebieten, in denen der Vogel lebt. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus der Schweiz.