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Weidenmeise | Poecile montanus
Matkop | Willow Tit | Carbonero montano | ירגזי הרים | Mésange boréale
Weidenmeise und Sumpfmeise bilden ein Artenpaar: dem Aussehen nach kaum zu trennen, an der Stimme in einer Sekunde. Die Weidenmeise ist der Vogel feuchter junger Wälder mit Totholz und die einzige Meise, die ihre Bruthöhle vollständig selbst zimmert. In Nordwesteuropa verschwindet sie rasch.
Stimme
Hier fällt die Entscheidung. Der Ruf ist ein tiefes, nasales, gedehntes tchay-tchay-tchay – oft als dzee-dzee-dzee geschrieben –, meist in Reihen von drei oder vier, eingeleitet von einigen dünnen, hohen zi-zi-Tönen. Der Klang ist langsam und breit, etwas zwischen einem knarrenden Tor und einer fauchenden Katze. Er ist nie explosiv. Der Gesang ist eine Folge klarer Pfiffe, tyoo-tyoo-tyoo, alle auf einer Tonhöhe, von Februar bis in den Mai zu hören. Wer den nasalen Ruf einmal gelernt hat, verwechselt Weiden- und Sumpfmeise nie wieder.
Aufnahme: Rabe19 — CC BY-SA 3.0 de · Wikimedia Commons
Bestimmung
Eine kleine braune Meise mit großem Kopf und kurzem, dickem Hals – der Eindruck ist stiernackig und rundlich. Die Kappe ist matt schwarz bis rußbraun, ohne Glanz, und reicht weit in den Nacken. Der Kehlfleck unter dem Kinn ist groß und ausgefranst, mit verwaschener Unterkante, die auf die obere Brust übergreift. Die Wangen sind weiß, werden nach hinten aber deutlich bräunlich bis schmutzig weiß und reichen weit nach hinten. Das wichtigste Flügelmerkmal ist das helle Feld: Die hellen Säume der Armschwingen bilden auf dem geschlossenen Flügel ein deutliches helles Feld. Die Flanken sind warm bräunlich. An der Schnabelbasis gibt es keinen hellen Fleck. Jedes dieser Merkmale ist variabel, und bei einem schlecht beleuchteten Vogel entscheidet keines allein.
Verwechslungsarten
Alles dreht sich um die Sumpfmeise – siehe auch die Artseite der Sumpfmeise. Die Sumpfmeise hat eine glänzend blauschwarze Kappe, die im Nacken scharf endet, einen kleinen, sauber begrenzten Kehlfleck, rein weiße Wangen ohne bräunlichen hinteren Teil, einen einheitlich braunen Flügel ohne helles Feld und einen hellen Fleck an der Schneide des Oberschnabels. Ihr Kopf wirkt kleiner und runder, ihr Hals schlanker. Ohne Ruf ist es am klügsten, den Vogel nicht zu notieren. Die Tannenmeise zeigt einen weißen Nackenfleck und zwei weiße Flügelbinden; die Haubenmeise hat eine Haube.
Lebensraum
Feuchter junger bis mittelalter Laubwald mit dichter Strauchschicht und viel stehendem Totholz: Weiden- und Erlenbruch, Birkenbruch, verwilderte Bachtäler, junge Pflanzungen und vernachlässigte Wallhecken. Auch Nadelwald, sofern weiche, morsche Stümpfe vorhanden sind. Die Wahl des Nistplatzes ist entscheidend: Die Weidenmeise zimmert ihre Höhle vollständig selbst in weiches, morsches Holz eines abgestorbenen Stumpfs oder eines vermoderten Zaunpfahls und nutzt kaum je einen Nistkasten oder eine vorhandene Höhle. Sie ist daher zum Brüten auf morsches Holz angewiesen.
Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.
Verbreitung und Zug
Vom Westen des europäischen Festlands und der Insel Großbritannien bis weit nach Sibirien und von Nordskandinavien bis zu den Alpen und dem Balkan; auf der Iberischen Halbinsel fehlt sie völlig, sodass sich dort das Sumpfmeisenproblem nicht stellt. In Nordwesteuropa ein Jahresvogel der Sandböden, der Bachtäler und der Niedermoore. Die Vögel bewegen sich kaum: Eine Weidenmeise verbringt meist ihr ganzes Leben im Umkreis weniger hundert Meter.
- Jahresvogel
- Brutvogel (Sommer)
- Winter
- Durchzug
- dunkel = Kerngebiet, hell = dünn verbreitet
Wie und wann beobachten
Der sicherste Weg ist ein winterlicher Meisentrupp. Von November bis Februar einen feuchten Bruchwald oder einen verwilderten Bachtalrand ablaufen, warten, bis man den Trupp hört – Kohl-, Blau- und Schwanzmeisen, Waldbaumläufer, Wintergoldhähnchen –, und dann gezielt auf ein tiefes, nasales tchay-tchay-tchay zwischen den klaren Rufen achten. Das ist die Weidenmeise. Erst dann den Vogel ansehen und die matte Kappe, den großen Kehlfleck und das helle Flügelfeld prüfen. Im Frühjahr lohnt es sich, alte morsche Zaunpfähle entlang von Waldwegen abzugehen: Frische Späne unter einem Loch verraten eine Höhle im Bau.
Gefährdungsstatus
Weltweit nicht gefährdet, in Westeuropa aber stark rückläufig. Die Ursachen weisen alle in dieselbe Richtung: das Aufräumen von Totholz, der Verlust der Strauchschicht durch Beweidung und Wild, das Austrocknen von Bruchwäldern und Konkurrenz um Nistplätze. Wo Totholz stehen bleibt und der Wald nass bleibt, hält sie sich.
Wissenschaftlicher Name
Poecile montanus | (Conrad von Baldenstein, 1827)
Conrad von Baldenstein beschrieb die Art 1827 als Parus cinereus montanus; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Poecile wurde 1829 von Kaup eingeführt. Poecile ist griechisch, von poikilos ‚bunt, vielfarbig‘. montanus ist lat. für ‚der Berge‘, von mons, Genitiv montis; der Vogel wurde aus den Bergwäldern Graubündens beschrieben. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus Graubünden, Schweiz.



