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Middendorff-Laubsänger | Phylloscopus plumbeitarsus

Swinhoes boszanger | Two-Barred Warbler | Mosquitero de Swinhoe | עלווית כפולת-פס | Pouillot à deux barres

Der Middendorff-Laubsänger ist das östliche Glied in der Formenkette um den Grünlaubsänger und der seltenste der drei im Gebiet dieses Führers: ein Vogel Transbaikaliens, des mongolischen Hochlands und der Mandschurei, von dem aus Nordwesteuropa nur wenige anerkannte Nachweise vorliegen. Er sieht aus wie ein Grünlaubsänger mit den Flügelbinden eines Gelbbrauen-Laubsängers, und genau das macht ihn im Oktober in einem Küstengehölz so schwer bestimmbar.

Middendorff-Laubsänger (Phylloscopus plumbeitarsus)
Foto: Hans Norelius — CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Stimme

Der Ruf ist das entscheidende Merkmal; er ist voller, runder und rollender als beim Grünlaubsänger: ein zweisilbiges chew-wee, das oft zu einem dreisilbigen chew-el-wee oder chirri-lee erweitert wird, mit deutlich gerolltem, schnarrendem Mittelteil. Wo der Grünlaubsänger kurz und scharf wie eine Bachstelze klingt, ist der Middendorff-Laubsänger länger, breiter und gerollt. Der Unterschied ist gering, im Sonagramm aber deutlich, und eben deshalb steht und fällt jeder nordwesteuropäische Nachweis mit einer Tonaufnahme. Der Gesang, in Europa fast nie zu hören, ist eine schnelle, hohe, schwirrende Reihe in etwa demselben Tempo wie beim Grünlaubsänger, aber mit anderen und längeren Phrasen.

Anhören: RufXC1075283

Aufnahme: Arend Wassink — CC BY-NC-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Bestimmung

Etwas größer und länger als der Grünlaubsänger, mit etwas größerem Kopf. Oberseits dunkler und reiner olivgrün, unterseits weißer – der Unterschied zwischen Ober- und Unterseite ist stärker als bei der westlichen Schwesterform, und Gelb fehlt fast ganz. Der Überaugenstreif ist lang, gelblich weiß und reicht weit hinter das Auge, aber nur sehr selten so weit nach vorn, dass sich beide Seiten über dem Schnabel treffen. Der Flügel trägt zwei Binden. Die untere, über die Spitzen der Großen Armdecken, ist lang, breit und auf ganzer Länge gleich breit – eine echte Binde, kein Keil. Darüber liegt eine kürzere, aber deutliche weiße Binde über die Mittleren Armdecken, die bei einem abgetragenen Vogel im Spätherbst abgenutzt sein und nahezu verschwinden kann. Die Beine sind dunkel bleigrau, worauf der wissenschaftliche Name Bezug nimmt; der Unterschnabel ist orangegelb ohne dunkle Spitze.

Verwechslungsarten

Zwei Arten müssen ausgeschlossen werden. Die erste ist der Grünlaubsänger: Er hat eine Flügelbinde, und diese ist schmal, cremeweiß und läuft am äußeren Ende oft keilförmig aus, während sie beim Middendorff-Laubsänger durchgehend gleich breit bleibt; beim Grünlaubsänger treffen sich zudem die Überaugenstreifen meist über dem Schnabel, was beim Middendorff-Laubsänger kaum je vorkommt, und er ist oberseits blasser und grauer grün. Siehe die eigene Artseite, auf der derselbe Unterschied von der anderen Seite her dargestellt ist. Ein abgetragener Middendorff-Laubsänger kann seine zweite Binde verlieren; ruft der Vogel zudem nicht, bleibt er unbestimmt. Die zweite ist der Gelbbrauen-Laubsänger, und bei kurzer Sicht ist er die eigentliche Fehlerquelle: ebenfalls zwei Flügelbinden, aber deutlich kleiner und kompakter, mit hellem Scheitelmittelstreif, breiten weißen Schirmfedersäumen, gelberem Gesicht und einem weit hörbaren, ansteigenden Ruf. Dem Middendorff-Laubsänger fehlen Scheitelstreif und Schirmfedersäume vollständig. Der Wanderlaubsänger hat eine dunkle Unterschnabelspitze, helle Beine und meist nur eine Binde; der Gelbgrüne Laubsänger ist an Kopf und Kehle gelbgrün.

Lebensraum

Brütet in der südöstlichen Taiga: Mischwald aus Lärche, Birke und Fichte mit dichter Strauchschicht, junger Birkenaufwuchs auf alten Brandflächen und vor allem die dichten Weiden- und Erlendickichte der Flussauen und Bachtäler, wo er niedrig nach Nahrung sucht. Auch in Eichen- und Lindenwäldern der Mandschurei und des angrenzenden Fernen Ostens. Er überwintert an Waldrändern, in Bambus und Gebüsch im äußersten Süden Ostasiens und auf der Hinterindischen Halbinsel. In Nordwesteuropa hält er sich im Herbst in Küstengehölzen, Sanddorn-, Holunder- und Weidengebüsch auf, meist zusammen mit Meisen.

Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.

Verbreitung und Zug

Brütet vom Baikalsee und Transbaikalien ostwärts über das mongolische Hochland und durch die Mandschurei bis an die Küste des Ochotskischen Meeres und überwintert in Südostasien. Das gesamte Verbreitungsgebiet liegt damit weit außerhalb des Gebiets dieses Führers, und jeder hier auftretende Vogel ist ein verdrifteter Herbstzieher. An der Ostküste Großbritanniens erscheint er im Abstand von Jahren, fast immer im Oktober; außerdem gibt es einen Nachweis aus den Niederlanden, auf Terschelling im Oktober 1996. Der Vogel von Terschelling wurde zunächst als Wanderlaubsänger notiert und erst später berichtigt, was die Schwierigkeit der Bestimmung zeigt. Soweit bekannt, gibt es keinen belegten Nachweis von der Iberischen Halbinsel.

Wie und wann beobachten

Im Oktober, nach einer längeren Ostwindlage, in denselben Küstengehölzen, in denen man nach Gelbbrauen-Laubsängern sucht. Die Methode ist die für jeden östlichen Irrgast: mit einem Meisentrupp mitgehen und zuhören. Hört man etwas, das an einen Gelbbrauen-Laubsänger erinnert, aber zu voll und zu rollend ist, schaltet man das Aufnahmegerät ein, bevor man das Fernglas hebt – bei dieser Art ist die Aufnahme der Beleg und die Beobachtung nur die Ergänzung. Hat man den Vogel, prüft man in dieser Reihenfolge: Größe und fehlender Scheitelstreif, dann die breite, gleichmäßig breite untere Flügelbinde, dann, ob sich die Überaugenstreifen über dem Schnabel treffen, und zuletzt die bleigrauen Beine.

Gefährdungsstatus

Weltweit nicht gefährdet; das Brutgebiet ist sehr groß und die Bestände sind stabil. In Europa ist der Vogel erst seit den 1980er-Jahren bekannt: Bis 1990 galt er als östliche Form des Grünlaubsängers und seitdem als eigene Art, weshalb die europäische Nachweisreihe kurz ist. Die Verbreitung dieser Formengruppe rund um das Tibetische Hochland ist ein Beispiel für ein Ringmuster: Vom Baltikum über den Himalaya bis Ostsibirien gehen die Formen allmählich ineinander über, außer an der Stelle in Mittelsibirien, an der sich die beiden Enden des Rings treffen – dort leben Grünlaubsänger und Middendorff-Laubsänger nebeneinander, ohne sich zu vermischen, und verhalten sich als zwei getrennte Arten.

Wissenschaftlicher Name

Phylloscopus plumbeitarsus | Swinhoe, 1861

Swinhoe beschrieb die Art 1861 und stellte sie gleich in die Gattung, in der sie noch heute steht. Die Gattung Phylloscopus wurde 1826 von Boie eingeführt. Phylloscopus ist griechisch, von phullon ‚Blatt‘ und skopos ‚Späher‘, von skopeō ‚schauen‘: der Vogel, der die Blätter absucht. plumbeitarsus ist lat., von plumbeus ‚bleifarben‘ und tarsus ‚Lauf‘: ‚mit bleigrauen Beinen‘. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus dem Gebiet zwischen Tanggu und Peking, China.