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Fahlsperling | Carpospiza brachydactyla

Bleke rotsmus | Pale Rockfinch | Gorrión pálido | דרורית קצרת-אצבעות | Moineau pâle

Der Fahlsperling ist der zeichnungsärmste Vogel der ganzen Region: sandgrau vom Scheitel bis zum Schwanz, ohne einen einzigen Streif, Fleck oder Binde am Kopf. Er brütet an heißen, trockenen Hängen in der Levante und in Südostanatolien, erscheint in einem Jahr zu Hunderten und fehlt im nächsten fast ganz und verrät sich vor allem durch ein summendes, insektenartiges Geräusch, das kaum nach einem Vogel klingt.

Fahlsperling (Carpospiza brachydactyla)
Foto: Dûrzan cîrano — CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Stimme

Die Stimme ist das beste Merkmal und gleicht keinem anderen Sperling: ein langes, gedehntes, trockenes Summen dzeeeee, wie eine Grille oder ein gespanntes Gummiband, oft mit einem kurzen Klicken abgeschlossen. Es wird endlos von einem Stein, einem niedrigen Busch oder einer Leitung wiederholt, auch mitten am Tag in voller Hitze. Trupps fügen ein weiches, leicht blechernes Tschilpen hinzu. Kennt man den Ton, lässt sich der Vogel nach Gehör in einer Landschaft finden, in der er optisch nicht zu erkennen ist.

Anhören: GesangXC1049267

Aufnahme: Geoff Carey — CC BY-NC-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Bestimmung

Ein mittelgroßer, schlanker Sperling mit schwerem, stumpfem Kegelschnabel und sehr langen, spitzen Flügeln, sodass er im Flug eher an eine Lerche als an einen Sperling erinnert. Der ganze Vogel ist sandgrau bis verwaschen beige, oberseits etwas wärmer, unterseits schmutzig weiß, und der Kopf ist völlig zeichnungslos: kein Scheitelstreif, kein Wangenfleck, kein Augenstreif, allenfalls ein schwacher heller Überaugenstreif und ein kleines dunkles Auge, das dadurch groß wirkt. Decken und Armschwingen tragen breite helle Säume, die zwei weiche, undeutliche Flügelbinden bilden und einem frischen Vogel oberseits ein geschupptes Aussehen geben. Der Schnabel ist zur Brutzeit blaugrau bis dunkel, sonst fleischfarben. Geschlechter gleich; Jungvögel sind noch heller und sandfarbener.

Verwechslungsarten

Ein zeichnungsarmer Sperling im Nahen Osten kann für ein Haussperlingweibchen gehalten werden, doch dieses zeigt stets einen klaren hellen Überaugenstreif, einen dunkleren Ohrdeckenfleck und einen gestreiften Mantel, während dem Fahlsperling jede Kopfzeichnung fehlt und er viel einheitlicher wirkt. Der Steinsperling kommt im selben Gelände vor, ist aber größer und schwerer, unterseits fein gestrichelt und hat den breiten hellen Scheitelstreif und die weißen Schwanzflecken, die dieser Art fehlen. Der Gelbkehlsperling ist ebenfalls zeichnungsarm am Kopf, aber kleiner und feiner, mit einer scharf begrenzten weißen doppelten Flügelbinde statt weicher heller Säume, und das Männchen zeigt einen kastanienbraunen Schulterfleck und einen kleinen gelben Kehlfleck. Im Zweifel die Flügelform lesen: Kein anderer Sperling hat den langen, dreieckigen Flügel und den lerchenartigen Flug des Fahlsperlings.

Lebensraum

Trockene, offene, steinige Hänge mit verstreuten niedrigen Büschen und Zwergsträuchern, Kalkhochflächen, Schluchtränder und Geröllhalden bis etwa dreitausend Meter. Er brütet am Boden oder niedrig in einem Busch und sucht zu Fuß zwischen den Steinen nach Samen und Insekten. Nach der Brutzeit sammelt er sich in großen Trupps auf Stoppelfeldern und an Tränken, wo er am leichtesten zu finden ist.

Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.

Verbreitung und Zug

Im Kartengebiet brütet er in Südostanatolien und in der Levante; ostwärts setzt sich das Areal bis zum iranischen Hochland und nach Zentralasien fort. Er ist ein echter Zugvogel, von März bis September im Brutgebiet und mit Überwinterung im südlichen Arabien und entlang des Roten Meeres bis nach Nordostafrika. Sein Auftreten ist zudem stark unregelmäßig: Ein Hang mit Dutzenden singender Vögel in einem Jahr kann im nächsten leer sein, offenbar im Takt der Winterregen und der darauf folgenden Ernte an Samen und Heuschrecken.

  • Brutvogel (Sommer)
  • Durchzug
  • dunkel = Kerngebiet, hell = dünn verbreitet
Dichtekarte aus den Nachweisen von GBIF (2006-09-01 – 2026-08-31), gezählt je 0,7°-Rasterzelle und Monat und geteilt durch alle Vogelnachweise in derselben Zelle – so bestimmt die Zahl der Beobachter nicht das Bild. Die Farbtiefe folgt diesem Anteil und läuft allmählich aus, sodass die Karte nicht den Staatsgrenzen folgt. Ländergrenzen: Natural Earth (gemeinfrei).

Wie und wann beobachten

April und Mai sind die besten Monate, wenn die Vögel singen und das Gras noch nicht verdorrt ist. Zu einem kahlen Kalkhang oberhalb von etwa achthundert Metern fahren, den Motor abstellen und zuhören: Das summende dzeeeee kommt vor dem Vogel, und erst dann wird die sandgraue Gestalt auf einem Stein erkennbar. Im Juli und August Tränken und abgeerntete Weizenfelder nach Trupps absuchen. Damit rechnen, dass ein Ort, der im letzten Jahr Vögel hatte, in diesem Jahr leer ist; das gehört zur Art.

Gefährdungsstatus

Global nicht gefährdet (IUCN: Least Concern). Die starken Schwankungen erschweren die Ermittlung von Trends, doch im Westen des Areals wirken die Umwandlung von Hängen in bewässertes Ackerland, Überweidung sowie Straßen- und Siedlungsbau auf die offenen, kargen Hänge, auf die er angewiesen ist.

Wissenschaftlicher Name

Carpospiza brachydactyla | (Bonaparte, 1850)

Bonaparte beschrieb die Art 1850 als Petronia brachydactyla; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Carpospiza wurde 1854 von Müller eingeführt. Carpospiza ist griechisch, von karpos ‚Frucht, Samen‘ und spiza ‚Fink‘. brachydactyla ist griechisch, von brakhus ‚kurz‘ und daktulos ‚Zehe‘. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus Al Qunfudhah in Saudi-Arabien.