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Kamtschatkasamtente | Melanitta stejnegeri
Stejnegers zee-eend | Stejneger's Scoter | Negrón de Stejneger | קטיפנית סיבירית | Macreuse de Stejneger
Das sibirische Gegenstück der Samtente, auf den meisten Listen seit 2019 als eigene Art geführt. Der Erpel trägt an der Schnabelbasis einen hohen, nach vorn ragenden Höcker, der dem Kopf ein flaches, eiderentenartiges Profil gibt. Sie ist die seltenste Meerente in Europa und zugleich die einzige, bei der ein einzelner Vogel jahrelang am selben Ort zu finden war.
Stimme
Hier ohne praktischen Nutzen: Die Vögel sind in Europa stumm. Im Brutgebiet gibt der Erpel bei der Balz einen leisen Pfiff und das Weibchen einen heiseren, kratzenden Ton, wie bei der Samtente, doch kein beschriebener Unterschied ist im Feld verwertbar. Man muss davon ausgehen, die ganze Bestimmung über Bau und Zeichnung leisten zu müssen.
Aufnahme: Martin Billard — CC BY-NC-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Bestimmung
Eine große, schwere Meerente von der Größe einer Samtente, die in allen Kleidern ein weißes Armschwingenfeld zeigt. Adulter Erpel: samtschwarz mit schwarzen Flanken, die sich kaum vom Mantel abheben, orangeroten Füßen und einem Schnabel, der an den Seiten rosarot bis orange ist, mit einer schmalen gelben Linie entlang der Schneide des Oberschnabels. Der Höcker an der Schnabelbasis ist hoch und ragt nach vorn, sodass Kopf und Schnabel ein langes, flaches Profil bilden, das an eine Eiderente erinnert. Das weiße Augenabzeichen ist groß und zieht als Zipfel hinter das Auge. Weibchen und unausgefärbte Vögel: dunkel rußbraun mit zwei hellen Wangenflecken und im Feld nicht von den anderen Vertretern der Gruppe zu trennen.
Verwechslungsarten
Zwei Gegenspieler, und gegen keinen hilft der Flügel, da alle drei ein weißes Armschwingenfeld zeigen. Gegenüber der Samtente: Diese hat eine niedrige Schnabelbasis ohne echten Höcker und ein konkaves, ausgehöhltes Schnabelprofil, ein breites gelbes Feld an den Schnabelseiten, das weit hinter das Nasenloch reicht, und einen kleinen weißen Haken unter und hinter dem Auge. Die Kamtschatkasamtente hat den hohen, nach vorn ragenden Höcker, überwiegend rote bis orange Schnabelseiten mit auf eine Linie reduziertem Gelb und ein größeres Augenabzeichen mit deutlichem Zipfel. Gegenüber der Amerikanischen Samtente: Diese hat einen niedrigeren Höcker und ein zweistufiges Kopf-Schnabel-Profil mit einer Erhebung über dem Nasenloch, ausgedehnteres Gelb auf dem Schnabel und deutlich braune Flanken, die sich von der schwarzen Oberseite abheben. Die Kamtschatkasamtente hat einen höheren Höcker, mehr Rot und schwärzliche Flanken ohne diesen Kontrast. In Europa lassen sich nur adulte Erpel sicher bestimmen, und selbst dann am besten anhand von Fotos des Schnabels im Profil. Weibchen und unausgefärbte Vögel werden ohne weiteren Kommentar als Samt-, Amerikanische oder Kamtschatkasamtente geführt.
Lebensraum
Flache Küstenmeere über Sand- und Muschelbänken, in Europa stets innerhalb eines Samtententrupps und meist einige Hundert Meter bis wenige Kilometer vor der Küste. Brütet an Seen und Flüssen der sibirischen Taiga und Tundra und überwintert in geschützten Küstengewässern Ostasiens. Im Kartengebiet ist sie ein Vogel des Meeres und nirgendwo sonst.
Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.
Verbreitung und Zug
Brütet in ganz Nordasien östlich des Jenissei und überwintert südwärts bis Ostasien. Europäische Nachweise sind verstreut, von Island und den Britischen Inseln bis Fennoskandien, Mitteleuropa und Westeuropa. Am bekanntesten ist ein adulter Erpel vor Gullane Point, Lothian, am 10. Dezember 2022; er blieb bis Mai 2023 im Firth of Forth, wechselte zwischen Lothian und Fife und ist in späteren Jahren zurückgekehrt.
Wie und wann beobachten
Der Firth of Forth ist vorerst die einzige realistische Adresse in Westeuropa: Musselburgh, Gullane Point und Fife Ness, von Dezember bis Mai, mit dem Spektiv von der Ufermauer aus. Die Samtententrupps Kopf für Kopf durchgehen und auf eines achten: einen Vogel, dessen Stirn nach vorn statt nach oben verläuft. Alles Abweichende fotografieren und das Schnabelprofil hinterher in Ruhe beurteilen, denn auf See ist das Detail selten zu erkennen.
Gefährdungsstatus
Als nicht gefährdet eingestuft, doch die Art wird erst so kurze Zeit getrennt geführt, dass die Zahlen noch weitgehend aus Bewertungen der Amerikanischen Samtente stammen. Der sibirische Bestand ist groß, steht aber im Verdacht abzunehmen. In den ostasiatischen Überwinterungsgebieten wiegen Beifang in Stellnetzen, Ölverschmutzung und Küstenbebauung am schwersten; an den Brutseen spielen Prädation und Störungen eine Rolle.
Wissenschaftlicher Name
Melanitta stejnegeri | (Ridgway, 1887)
Ridgway beschrieb die Art 1887 als Oidemia stejnegeri; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Melanitta wurde 1822 von Boie eingeführt. Melanitta ist griechisch, von melas ‚schwarz‘ und netta ‚Ente‘. stejnegeri ehrt den norwegisch-amerikanischen Zoologen Leonhard Stejneger (1851–1943). Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus Kamtschatka.

