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Singammer | Melospiza melodia
Zanggors | Song Sparrow | Chingolo cantor | גיבתונית רוננת | Bruant chanteur
Ein brauner, gestreifter Vogel, der vielen anderen ähnelt und daher dem Finder am meisten abverlangt. In Nordamerika ist die Singammer einer der häufigsten Vögel feuchter Gebüsche und Gärten; hier beschränkt sie sich auf eine Handvoll Nachweise, und fast alle fallen in den April und Mai.
Stimme
Der Gesang besteht aus drei oder vier klaren, gleichmäßigen Anfangstönen, gefolgt von einem ratternden Triller und einem unregelmäßigen Schnörkel, stets gleich aufgebaut: cheet-cheet-cheet, tirrrr-chidderdit. Ein Irrgast, der bis in den Mai bleibt, singt bereitwillig, und frühere Irrgäste wurden mehrfach auf diese Weise gefunden. Der Ruf ist ein tiefes, hartes, nasales chep, im Flug ein dünnes, hohes tseee.
Aufnahme: Ryan Douglas — CC BY-SA 4.0 · xeno-canto
Bestimmung
Ein mittelgroßer Ammernverwandter mit langem, gerundetem Schwanz, der im niedrigen, schwerfälligen Flug deutlich auf und ab bewegt wird. Die Unterseite ist cremeweiß und an Brust und Flanken kräftig schwarzbraun gestreift; auf der Brust laufen diese Streifen zu einem einzelnen dunklen Mittelfleck zusammen, und auf diesem Merkmal beruht alles. Der Kopf ist grau mit breitem grauem Überaugenstreif, braunen Seitenscheitelstreifen und kräftigem dunklem Bartstreif mit hellem Streif darüber. Die Oberseite ist warm rotbraun mit schwarzer Streifung, ohne deutliche Flügelbinden. Der Schnabel ist kurz, kegelförmig und gräulich. Die Geschlechter sind gleich; Jungvögel sind feiner gestreift und können den Brustfleck vermissen lassen.
Verwechslungsarten
Diesen Vogel hält man an drei harten Merkmalen fest, nicht an Brauntönen. Erstens: der dunkle Brustfleck, in dem die Streifung zusammenläuft. Zweitens: der Schwanz – lang, gerundet und durchgehend dunkel, ohne eine Spur von Weiß in den äußeren Federn, was jede Emberiza und jeden Pieper ausschließt, da alle diese helle äußere Schwanzfedern zeigen. Drittens: der kräftige dunkle Bartstreif mit hellem Streif darunter. In Europa denkt man zuerst an eine weibliche oder winterliche Rohrammer, doch diese hat Weiß im Schwanz, feinere Bruststreifung ohne Mittelfleck und einen kürzeren, stärker gekerbten Schwanz. Pieper haben zudem einen dünnen, spitzen Schnabel statt eines Kegelschnabels. Die Grauammer ist größer, weniger gezeichnet und ohne Kopfmuster.
Lebensraum
Hier ist sie ein Vogel feuchter, dichter Ränder: Grabenränder, sumpfiges Gebüsch, Brennnessel- und Schwertlilienbestände, verwilderte Gemüsegärten und der Saum eines Deichs hinter einem Garten. Sie sucht niedrig am Boden in Deckung nach Nahrung, kommt kurz ins Freie und verschwindet wieder. Sie ist also nicht der Vogel, den man oben auf einem Busch sitzen sieht – außer beim Singen, wenn sie gezielt eine Warte wählt. In der Heimat ist es genauso: nasse Dickichte, Ufer, Gärten und Straßenränder, immer mit Wasser oder Feuchtigkeit in der Nähe.
Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.
Verbreitung und Zug
Brütet in fast ganz Nordamerika, von Alaska und Kanada bis Mexiko, in Dutzenden stark verschiedener Formen, von denen nur die nördlichen ziehen. Im Kartengebiet ist sie eine echte Seltenheit. Ein seltener Herbstnachweis war ein Vogel vom 15. bis 17. Oktober 1994 in Seaforth in den Docks von Liverpool.
Wie und wann beobachten
Wer eine finden will, sucht in der ersten Maihälfte eine nördliche Inselstation ab – Fair Isle, die Nördlichen Inseln, die Äußeren Hebriden – und sieht sich jeden braunen, gestreiften Vogel genau an, der schwanzwippend aus einem Graben oder einem Schwertlilienbestand auffliegt. Ihn sich setzen lassen und dann den Brustfleck suchen. Immer den gespreizten Schwanz fotografieren: Das Fehlen von Weiß ist das, was die Seltenheitenkommission auf dem Bild sehen will, und es schließt auch im Feld die Bestimmung ab.
Gefährdungsstatus
Weltweit nicht gefährdet (IUCN: Least Concern) und einer der zahlreichsten Singvögel Nordamerikas. In Europa geht es um die Herkunft, nicht um den Schutz, und die Singammer ist unter den amerikanischen Ammern der deutlichste Fall: Eine Art, die hier im Herbst kaum je, im späten Frühjahr aber durchaus auftaucht, lässt sich schwer als Vogel erklären, der gerade mit einem Sturm herübergekommen ist. Als Erklärungen werden eine Überwinterung diesseits des Ozeans nach einer Überquerung im Vorjahr und eine Teilstrecke per Schiff angeführt – der Herbstnachweis von 1994 lag in einem Hafengelände. Die Art wird nicht als Käfigvogel gehalten.
Wissenschaftlicher Name
Melospiza melodia | (Wilson, 1810)
Wilson beschrieb die Art 1810 als Fringilla melodia; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Melospiza wurde 1858 von Baird eingeführt. Melospiza ist griechisch, von melos ‚Gesang‘ und spiza ‚Fink‘. melodia ist lateinisch, entlehnt aus griech. melōidia ‚Gesang‘, nach dem reichhaltigen Gesang. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus Philadelphia in Pennsylvania.



