Alle Arten › Regenpfeiferartige › Regenpfeifer › Wermutregenpfeifer
Wermutregenpfeifer | Anarhynchus asiaticus
Kaspische plevier | Caspian Plover | Chorlito asiático | חופמי אסיה | Pluvier asiatique
Ein schlanker, langflügeliger Regenpfeifer der trockenen Steppe rund um das Kaspische Meer, der in Westeuropa höchstens einmal in fünf Jahren zwischen Goldregenpfeifern auf einer Salzwiese oder einem kahlen Feld auftaucht. Das Männchen im Prachtkleid trägt ein breites kastanienbraunes Brustband mit dünnem schwarzem Unterrand.
Stimme
Ein kurzes, scharfes chip, meist im Flug, und manchmal ein gedehnteres chu-eet. Im Brutgebiet gibt er einen leisen, schnarrenden Balzlaut von sich, der kaum trägt. Irrgäste in Nordwesteuropa sind praktisch stumm, sodass die Stimme bei der Bestimmung selten hilft.
Aufnahme: Stephanie Dolrenry — CC BY-NC-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Bestimmung
Etwas größer als der Sandregenpfeifer, aber deutlich schlanker, langbeiniger und langflügeliger, mit langer Handschwingenprojektion über den Schwanz hinaus. Der Schnabel ist kurz, dünn und schwarz, der Kopf rundlich mit steiler Stirn. Männchen im Prachtkleid: weißes Gesicht und weiße Kehle, breiter weißer Überaugenstreif, dunkler Augenstreif und graubrauner Scheitel sowie ein breites kastanienbraunes Brustband, das durch einen schmalen schwarzen Unterrand vom weißen Bauch getrennt ist. Weibchen und Vögel im Schlichtkleid zeigen ein graubraunes Brustband ohne Kastanienbraun. Beine gelblich braun bis matt ocker.
Verwechslungsarten
Das eigentliche Problem ist der Oriental Plover. Dieser ist größer und langbeiniger, steht aufrechter, hat einen längeren Hals und einen fast ganz weißen, möwenartigen Kopf ohne dunklen Augenstreif, und sein schwarzer Unterrand des Brustbands ist breit statt dünn. Der Wermutregenpfeifer hat einen kürzeren, feineren Schnabel und gelblich braune Beine; der Oriental Plover hat längere, hellere ocker- bis fleischfarbene Beine. Im Flug entscheidet die Flügelunterseite: hell mit weißen Achselfedern beim Wermutregenpfeifer, einheitlich dunkelbraun beim Oriental Plover. Die Flügelbinde ist beim Wermutregenpfeifer schmal, aber sichtbar, vor allem über den Handschwingen, beim Oriental Plover praktisch fehlend; keiner von beiden zeigt weiße Schwanzseiten. Gegenüber dem Wüstenregenpfeifer auf den feinen, kurzen Schnabel, die gelblichen statt grünlich grauen Beine und die weit schmalere Flügelbinde achten. Schnabelform und Beinfarbe lassen sich nur an einem rastenden Vogel aus der Nähe bei gutem Licht beurteilen; für Achselfedern und Flügelbinde muss der Vogel fliegen, und ein Irrgast in einem Goldregenpfeifertrupp tut das vielleicht nur einmal.
Lebensraum
Brütet auf trockener, kahler Steppe und Lehmhalbwüste mit Wermut rund um das Kaspische Meer, meist mehrere Kilometer vom nächsten Trinkwasser entfernt. Überwintert auf trockenem Grasland, ausgetrockneten Überschwemmungsflächen, Küstendünen und Kulturland im östlichen und südlichen Afrika. In Europa suchen Irrgäste dieselbe Art von Gelände: Salzwiesen, kurz beweidete Weiden, gepflügte Felder und trockenfallende Salzflächen, kaum je die Wasserlinie selbst.
Wo der Vogel vor allem zu Hause ist, eingeteilt nach EUNIS – dem europäischen Standard für Lebensräume.
Verbreitung und Zug
Brütet in den kaspischen Steppen und in Zentralasien bis in Teile des Iranischen Hochlands, mit einer Zugroute über Arabien und das Rote Meer nach Ostafrika und südwärts bis zum Sambesi. Nach Westeuropa kommt er als sehr seltener Irrgast.
- Winter
- Durchzug
- dunkel = Kerngebiet, hell = dünn verbreitet
Wie und wann beobachten
Die Chance besteht im Herbst und Frühwinter beim systematischen Durchsuchen großer Trupps von Goldregenpfeifern und Kiebitzen auf kahlen Feldern und Salzwiesen, besonders in Zeeland, auf den Watteninseln und im nördlichen Groningen. Nach einem schlanken, hochbeinigen Regenpfeifer suchen, der sich am Rand des Trupps hält und in kurzen Läufen Nahrung sucht. Um die Art sicher zu sehen, im Mai in die Taukum-Steppe südlich des Balchaschsees fahren, wo Paare neben den Sandpisten stehen.
Gefährdungsstatus
Global nicht gefährdet, doch die Brutgebiete stehen unter Druck durch die Umwandlung von Steppe in Ackerland, starke Beweidung um Wasserstellen und das Austrocknen zentralasiatischer Salzseen. Die Art zieht auf schmaler Front und konzentriert sich unterwegs an wenigen Orten, was sie empfindlich gegenüber Landnutzungsänderungen am Roten Meer macht. Alle hier behandelten Regenpfeifer, vom Wermutregenpfeifer über den Wüstenregenpfeifer bis zum Oriental Plover, werden seit 2023 in die Gattung Anarhynchus statt Charadrius gestellt; ältere Bestimmungsbücher führen diesen Vogel noch als Charadrius asiaticus.
Wissenschaftlicher Name
Anarhynchus asiaticus | (Pallas, 1773) (GBIF: Charadrius asiaticus)
Pallas beschrieb die Art 1773 als Charadrius asiaticus; weil sie später in eine andere Gattung gestellt wurde, stehen Autor und Jahr in Klammern. Die Gattung Anarhynchus wurde 1832 von Quoy & Gaimard eingeführt. Anarhynchus ist griechisch, von ana- ‚zurück, umgekehrt‘ und rhunkhos ‚Schnabel‘, nach dem seitwärts gebogenen Schnabel des Schiefschnabels, der Art, nach der die Gattung benannt ist. asiaticus bedeutet lat. ‚asiatisch‘, nach den Brutgebieten in den Steppen Zentralasiens. Das Exemplar, auf dem die Erstbeschreibung beruht, stammte aus den Salzseen der zentralasiatischen Steppe.




